Seit vier Jahren blocken die Behörden alle Anstrengungen von Vater Stefan S. (Name der Redaktion bekannt) ab, Kinderschutzmassnahmen für seinen achtjährigen Sohn Thomas zu erwirken. Doch er lässt nicht locker: Ende letzten Jahres reichte er erneut eine Gefährdungsmeldung bei der Vormundschaftsbehörde Biberist SO ein. Er hatte erfahren, dass die Kindsmutter entgegen ihren früheren Aussagen seit Oktober 2007 doch mit ihrem Lebenspartner Heinz P. (Name der Redaktion bekannt) in einer gemeinsam gekauften Attikawohnung zusammenlebt.

Noch am 27. Juni 2007 hatte die Mutter anlässlich eines Gutachtens der kantonalen Erziehungsberatung Bern beteuert, sie habe «auch längerfristig kein Bedürfnis», mit ihrem Freund zusammenzuziehen. Vielmehr geniesse sie «die jetzige Unabhängigkeit und Distanz». Die Experten begrüssten diesen Entschluss. Sie sind der Meinung, Heinz P. sei von der Erziehung des Kindes auszuschliessen. Auch die Grosseltern mütterlicherseits und die Beiständin sollen diese Sachlage laut Experten «stützen».

Verfahren nicht abgeschlossen
Stefan S. wies die Vormundschaftsbehörde Biberist einmal mehr auf Farbfotos von fremden, nackten Mädchen hin, die Heinz P. vor Jahren gemacht hatte und die die Vormundschaftsbehörde monatelang unter Verschluss gehalten hatte. Dieser «kleine Teil einer ganzen Feriendokumentation» war ebenfalls im Juni 2007 bei einer Befragung durch die Gutachter der kantonalen Erziehungsberatung Bern zur Sprache gekommen. Heinz P. hatte dabei «einen gewissen voyeuristischen Anstrich» eingeräumt.

Doch die Vormundschaftsbehörde Biberist liess Vater Stefan S. erneut abblitzen. In einer Verfügung vom 30. Januar 2008 hält sie fest, nach ihrer Überzeugung sei auch durch die neuen Wohnverhältnisse eine Gefährdung des Achtjährigen «nicht ersichtlich». Die Strafbehörden hätten die Vorbehalte des Kindsvaters «gründlich abgeklärt». Die Vormundschaftsbehörde werde die Situation aber weiterhin «aufmerksam verfolgen». Gegenstand dieser laufenden Abklärungen sei nach wie vor die «aktuelle Betreuungssituation», erklärte die Vormundschaftsbehörde dem Beobachter: «Im Zentrum steht das Wohl des Kindes.»

Zur Wohn- und Betreuungssituation richtete die Vormundschaftsbehörde Anfang Februar 2008 Ergänzungsfragen an die Experten des Gutachtens von Juni 2007. In ihrer Stellungnahme gaben diese zu bedenken, aus heutiger Sicht würden die früheren Angaben der Kindsmutter, nicht mit ihrem Lebenspartner zusammenzuziehen, «nicht der Wahrheit entsprechen» - das lasse grundsätzlich an der Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen zweifeln. Ob bei Heinz P. pädophile Neigungen bestehen, könne nur «aufgrund eines forensisch-psychiatrischen Gutachtens abschliessend beantwortet werden».

Die Vormundschaftsbehörde Biberist schreibt in einer Stellungnahme, sie habe das Verfahren nicht abgeschlossen: «Sollten sich im Rahmen der laufenden Abklärungen Hinweise ergeben, dass das Kindswohl in irgendeiner Weise gefährdet ist, wird die Behörde sofort intervenieren.»

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«Potentiell sehr gefährlich»
Für Vater Stefan S. zählt jeder Tag. Er wollte nicht untätig bleiben und unterbreitete den Fall dem landesweit engagierten Verein «Kinderschutz Schweiz». Dieser bezeichnete eine Gefährdung des Sohnes als «nachvollziehbar» und appellierte an die Verantwortlichkeit der Vormundschaftsbehörde. Auch der von Eltern gegründete Verein «Marche Blanche» zum Schutz vor Pädophilen zeigte sich in einem Schreiben Anfang April 2008 an den Solothurner Gesamtregierungsrat besorgt. Nach der Prüfung «unzähliger Dokumente und Beweisstücke» sei er der Meinung, Thomas befinde sich seit vier Jahren «in einer potentiell sehr gefährlichen Situation für seine körperliche, sexuelle und psychische Integrität».

Stefan S. erklärt: «Ich kämpfe weiter. Das bin ich meinem Sohn schuldig.»