Voller Vorfreude machten Christian Eggenberger und seine fünfjährige Tochter Felicia einen Ausflug zu den Bodensee-Thermen in Konstanz. Dort war das Vergnügen allerdings von kurzer Dauer. «Nach nicht einmal einer Minute kam der Bademeister und meinte, Felicia müsse den Pool verlassen», erzählt Eggenberger. Begründung: Das Kind entspreche in seinem Badeanzug nicht der Badeordnung. So genannte Burkinis – für muslimische Frauen entwickelte Ganzkörperbadeanzüge, die lediglich das Gesicht sowie Hände und Füsse unbedeckt lassen – seien im Bad nicht erwünscht.

«Diese Haltung finde ich diskriminierend», sagt Eggenberger. Zudem frage er sich, was der Badeanzug seiner Tochter mit einem Burkini zu tun habe. In der Tat: Die Fünfjährige badete in einem handelsüblichen einteiligen Badekleid aus der Migros, dessen kurze Ärmel und Hosenbeine dem UV-Schutz dienen sollen.

«Burkinis entsprechen nicht dem üblichen Badeverhalten in unserem Kulturkreis», erklärt Georg Geiger, Geschäftsführer der Bädergesellschaft Konstanz. «Deshalb werden sie bei uns nicht toleriert.» Das bedeute jedoch nicht, dass man Muslime ablehne, im Gegenteil: Hunderte Gäste und auch einige Angestellte seien muslimischen Glaubens. «Nur gelten halt die Regeln unseres Kulturkreises.»

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Mit T-Shirts in den Pool?

Geiger spricht auch von Hygienebedenken – obwohl der Badeanzug aus üblichem Material besteht. Der Badbetreiber denkt jedoch weiter: Wenn andere Gäste diese Anzüge sähen, würden sie auch mit T-Shirts in den Pool springen. «Wir können und wollen aber nicht bei allen das Material der Oberbekleidung überprüfen. Deshalb haben wir diese generell verboten.» Also auch die klassischen Einteiler für Frauen? Das sei etwas anderes, meint Geiger. «Grenzen sind halt immer fliessend.»