Es ging fast lautlos über die Bühne. Und die Betroffenen würden am liebsten nur schweigen. Insbesondere Babette Sigg Frank, die Präsidentin des Konsumentenforums (KF). Ihre Organisation wird ab 2016 nur noch 110'000 statt 198'900 Franken Subventionen bekommen. «Das ist eine ganz schwierige Situation. Wir müssen uns völlig neu orientieren», sagt Sigg.

Und das nur, weil FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann die Vergabe der Subventionsgelder an die Konsumentenorganisationen entbürokratisieren wollte. Bisher war sie an 38 teils realitätsferne Kriterien gebunden, neu werden die Gelder anhand der Erfolgsrechnungen der Konsumentenorganisationen verteilt. Gegenüber dem Beobachter erklärt Benno Maurer vom Büro für Konsumentenfragen auch jetzt noch: «Wir erwarten, dass die Neuregelung keine einschneidenden Konsequenzen für die betroffenen Orga­nisationen hat.» Vom «Vorschlag zur Vereinfachung» würden die grossen Organisationen leicht profitieren, «die kleinen eher nicht».

Es trifft vor allem die Deutschschweiz

Es geht zwar nur um 900'000 Franken. Für die Konsumentenschützer, die chronisch knapp bei Kasse sind, sind die Beträge jedoch wichtig. Am meisten für das bürgerliche KF, das sein Budget gut zur Hälfte mit öffentlichen Geldern bestreitet und ab nächstem Jahr auf einen Schlag gut einen Viertel weniger zur Verfügung hat. «Wir sind wild entschlossen weiterzumachen», sagt KF-Präsidentin Sigg trotzig. Bis Ende Jahr will sie einen Plan ausarbeiten, der das Überleben ihrer Organisation sicherstellt. Wie das gehen soll, ist unklar. Präsidentin und Vorstand arbeiten bereits gratis, einen neuen Geschäftsleiter werde sich das KF «vorläufig nicht leisten können», sagt Sigg. Und der Trend bei den Gönner- und Mitgliederbeiträgen zeigt seit Jahren nur in eine Richtung – nach unten.

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Mit seiner Aktion wird Schneider-Ammann auch die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) treffen. Ihr stehen 50'000 Franken weniger zu als bisher. Denn neu fliessen 60 Prozent der Gelder in die lateinische Schweiz: 44 Prozent an die Westschweizer FRC und stolze 16 Prozent an die kleine Tessiner ACSI. Beide Organisationen erhalten zudem kantonale Beiträge, die SKS und das KF nicht.

Das neue Verteilsystem ist wenig konsumentenfreundlich. Wenn die SKS eine Stellungnahme zum neuen ­Finanzdienstleistungsgesetz verfasst, gilt das als politische Arbeit – dafür gibts keine Subventionen. Übernimmt das KF eins zu eins ein Infoblatt der Sonnencreme-Industrie, einen Bericht des Bettwarenverbands oder ein Papier über das umstrittene Spritzmittel Glyphosat, dessen Autorin bei einem betroffenen Agrarmulti arbeitet, dann sprudelt staatliches Geld. Ob Informationen neutral sind, muss Schneider-Ammanns Leuten egal sein.

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Für Tests gibt es viel Geld

Irritierend auch, dass Tests von Produkten breit honoriert werden. Davon profitiert vorab die Westschweizer FRC, die Tests für ihr eigenes Konsumentenmagazin durchführen lässt – und sie der Tessiner ACSI weitergibt, die dafür erneut Subventionen erhält. In der Deutschschweiz machen die Konsumentenorganisationen kaum Tests. Eine breite Palette liefern hier bereits die deutsche Stiftung Warentest sowie die Konsumenten­medien «K-Tipp», «Saldo» und «Kassensturz». «Wenn wir das auch noch machen, haben die Konsumentinnen und Konsumenten wenig davon», sagt SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder.

Von den 900'000 Franken für Konsumentenfragen hält der Staat 100'000 Franken für Organisationen bereit, die sich statutengemäss mit Konsumenteninfos befassen. Verteilt wurde letztes Jahr nicht einmal die Hälfte: 17'000 Franken gingen an die Patientenorganisation (SPO), 12'000 an die Konsumentenvereinigung Schweiz, 5000 an den biodynamischen Verband Demeter und 10'000 Franken an den TCS.

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