Im Kosovo herrscht das Chaos. Der Krieg hat alles zerstört: Häuser, Spitäler, Infrastrukturbauten. «Nun fehlen Kontaktstellen, die den Wiederaufbau koordinieren», sagt Behgjet Pacolli. Die von ihm initiierte und Ende Juli in Paradiso bei Lugano gegründete «Stiftung für die Organisation und den Wiederaufbau von Kosovo» will diese Koordinationsfunktion übernehmen. Sie soll Gelder verwalten, die von Staaten, Organisationen oder Privaten für den Wiederaufbau zur Verfügung gestellt werden.

Getragen wird die Stiftung von prominenten kosovo-albanischen Intellektuellen und Wirtschaftskräften aus Europa und den USA sowie der Ubergangsregierung im Kosovo. Präsident ist der Ökonomieprofessor Sebahudin Komoni. Initiant Behgjet Pacolli, in der Schweiz eingebürgerter Kosovo-Albaner, ist als einer von zwei Vizepräsidenten eingesetzt worden.

Pacolli ist im Tessin eine schillernde Figur. Seine Baufirma Mabetex Project Engineering SA konnte bereits kurz nach der Gründung 1991 spektakuläre Aufträge an Land ziehen. Sie baute vorab in Osteuropa Spitäler, Banken, Hotels und Verwaltungsgebäude und stellte unter anderem das Weisse Haus in Moskau wieder her. Pacolli, stets um Imagepflege bemüht, tritt in der Schweiz als Wohltäter auf. Er lädt russische Kinder zu Ferien im Tessin ein und sponsert Sportmannschaften.

Anzeige

Wohltäter und Hardliner
Als Manager gilt Pacolli jedoch als Hardliner. Für die Arbeiten in Osteuropa bevorzugte er Firmen aus dem Tessin und aus Norditalien, die vom Konkurs bedroht waren. Diese rettete er damit zwar vor dem finanziellen Zusammenbruch, diktierte ihnen aber seine knallharten Geschäftsbedingungen.

Seit Anfang dieses Jahres wird Pacolli verdächtigt, für die Aufträge in Russland Schmiergelder bezahlt zu haben. Diese Gerüchte sind bisher nicht erhärtet worden. Wegen mangelnder Zahlungsfähigkeit russischer Klienten steckt die Mabetex überdies in Liquiditätsproblemen.

Klare Absichten
Das führe dazu, dass er nicht mehr wie früher ein 100-Millionen-Projekt einfach in Angriff nehmen könne, ohne dass die Finanzierung abgesichert sei, sagt Pacolli. Er beteuert aber, seine Rechnungen stets termingerecht bezahlt zu haben.

Anzeige

Trotzdem hat er ein Gesuch um Nachlassstundung eingereicht, mit dem er allerdings auch in zweiter Instanz abgeblitzt ist – und sich gar eine Untersuchung eingehandelt hat. Die Tessiner Staatsanwältin Maria Galliani jedenfalls klärt derzeit ab, ob die Mabetex Unregelmässigkeiten in der Buchführung zu verantworten hat.

Die Stiftung sei gemeinnützig und gehöre allen Kosovo-Albanern, schreibt Pacolli in den Statuten wolkig. Das verdeckt aber nicht, dass sie klare Absichten verfolgt: Einer der wichtigsten Stiftungszwecke ist die wirtschaftliche Privatisierung im Kosovo. Damit entlarvt sich die Gruppe um Pacolli als Lobby zur Einführung der Marktwirtschaft in einem ehedem sozialistisch regierten Staat.

Auf einer ersten Inspektionsreise hat eine Delegation laut Pacolli erste Objekte ausgemacht, die die Stiftung übernehmen, instand stellen und für private Investoren fit machen will. Pacolli will nach eigenen Worten verhindern, dass die Fehler wiederholt werden, die in der ehemaligen Sowjetunion gemacht wurden. Dort hätten Private in Unternehmungen investiert, um günstig an Rohstoffe, Maschinen oder Gebäudeteile zu kommen. So sei die Wirtschaft ausgeblutet worden.

Anzeige

Pole-Position für Mabetex
Pacolli beteuert zwar, die Wiederaufbaustiftung und die Mabetex seien zwei Paar Stiefel. Der Sitz der Foundation ist aber mit der Mabetex-Niederlassung in Pristina identisch. Nach schweizerischem Recht wäre auch fraglich, ob die Stiftung auch wirklich eine ist.

Pacolli verhehlt nicht, dass seine Erfahrungen aus Russland von Nutzen sein könnten. Im Klartext: Die Mabetex steht für die Millionenaufträge, die die Stiftung vergeben wird, in der Pole-Position. Nach Angaben von Pacollis Pressesprecher hat etwa der Staat Taiwan in Aussicht gestellt, über die Stiftung 300 Millionen Dollar in den Wiederaufbau zu investieren.