Bald wummern die Bässe wieder rund ums Zürcher Seebecken, und Zehntausende von Technofans tanzen sich dazu die Seele aus dem Leib. An der Street Parade gilt: je lauter die Musik, desto besser das Gefühl.

Mit dabei sind auch die fünf Mitarbeiter der Lärmbekämpfungsstelle der Zürcher Stadtpolizei. Mit Schalldruckmessgeräten stellen sie sicher, dass die Grenzwerte am Umzug und an den anschliessenden Partys nicht überschritten werden.

100 Dezibel dürfen es ausnahmsweise sein. Dafür müssen die Veranstalter das Publikum regelmässig auf eine mögliche Schädigung des Gehörs hinweisen und Schutzpfropfen zum Selbstkostenpreis abgeben. So ist es vorgeschrieben in der Schall- und Laserverordnung des Bundes, die seit 1996 in Kraft ist. Sie soll das Publikum vor schädlichen Schalleinwirkungen schützen. Ohne Sonderbewilligung darf die Musik in Discos und an Konzerten nicht lauter als 93 Dezibel sein. Die zuständigen kantonalen Behörden müssen dafür sorgen, dass die Disco- und Konzertbetreiber diesen Grenzwert einhalten.

Doch die Stadtpolizei Zürich kontrolliert nicht an allen Tagen so eifrig wie während der Street Parade. Gerade in der Limmatstadt mit ihren über 100 Musikklubs gibt es seit einem Jahr keine periodischen Lärmkontrollen mehr. Der Grund: Die Schall- und Laserverordnung wird zurzeit neu überarbeitet.

DJs ignorieren die Lärmgrenzwerte
«Wir warten auf genauere Weisungen des Bundes», sagt Emil Rosenkranz von der Zürcher Lärmbekämpfungsstelle. Vlasta Mercier vom Bundesamt für Gesundheit hingegen stellt klar: «Bis die überarbeitete Fassung in Kraft tritt, gilt die alte Verordnung.» Diese schreibt vor, dass periodisch Kontrollen durchgeführt werden müssen, wenn Grund zur Annahme besteht, dass die Grenzwerte überschritten werden.

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Und das ist häufig der Fall. Beispiele aus anderen Städten zeigen, dass der Schallpegel an Konzerten und Discoveranstaltungen nach wie vor zu stark nach oben ausschlägt. «Die Einsicht der Lokalbetreiber ist klein», sagt Priska Plüss von der Basler Lärmschutzfachstelle. «Daher sind regelmässige Kontrollen nötig.» Die Basler beanstanden jeweils 70 Prozent der Lokale. In Winterthur sieht es ähnlich aus: Im Jahr 2001 war die Musik in über der Hälfte der Klubs zu laut.

Nur in Zürich sieht man keinen Handlungsbedarf. «Viele Discobetreiber haben den Lärmpegel angepasst», sagt der Lärmbekämpfer Emil Rosenkranz. Überprüft hat er es nicht. Gleichzeitig betont er, wie schwierig die Kontrollen durchzuführen seien; auch sei der Personalbestand dafür zu klein. «Zudem verfügt die Lärmbekämpfungsstelle nicht einmal über ein Verzeichnis aller Lokale.»

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So beschränken sich die Lärmmessungen in Zürich auf die Street Parade. An allen anderen Tagen gilt: unkontrollierte Beschallung möglich.