Zürich, 5. September. Die Umbauarbeiten im Kinderspital schreiten voran. Plötzlich, um 14.30 Uhr, fällt der Strom aus – ein Bauarbeiter hat versehentlich in eine Stromleitung gebohrt. Hektik bricht aus. Denn vom Stromausfall ist auch die anliegende Intensivpflegestation betroffen. Auf der einen Seite des Raums sind plötzlich die Geräte tot, die Steckdosen liefern keinen Strom mehr.

Es dauert etliche Minuten, bis alle Maschinen wieder mit Strom versorgt sind, da diese Abteilung über keine eigene unterbruchfreie Stromversorgung verfügt. Doch der Zwischenfall verlief glimpflich. «Zum Glück war keines der beiden dort angeschlossenen Beatmungsgeräte im Einsatz», erinnern sich Zeugen des Vorfalls.

Technikverantwortliche wiegeln ab
«Noch sensibler als die Stromversorgung ist die Versorgung mit Medizinalsauerstoff», versucht Kurt Hess, Leiter technischer Dienst des Universitätsspitals Zürich, die Panne zu relativieren. «Fällt der Strom aus, kann man noch vieles manuell machen, Sauerstoff lässt sich hingegen nicht so leicht ersetzen.» Und Hanspeter Dublanc vom technischen Unterhalt des Kantonsspitals Luzern betont: «Das Risiko eines lokalen Stromausfalls innerhalb eines Spitals ist äusserst gering.»

Dennoch hinterlässt der Vorfall am Kinderspital Zürich ein schales Gefühl. Während heute jeder Fernseher mit einer Stützbatterie ausgerüstet ist, damit beim Ausschalten nicht jedes Mal die Voreinstellungen verloren gehen, verfügen die wenigsten Beatmungsmaschinen über ein Notstromaggregat, das bei einem Stromausfall den weiteren Betrieb gewährleistet.

Die Leitung des Kinderspitals Zürich will ihr Glück offenbar nicht weiter strapazieren. «Der Vorfall hat zur Folge, dass wir die Stützbatterien für die Beatmungsgeräte früher als geplant anschaffen. Dazu müssen wir aber anderswo finanzielle Einsparungen vornehmen», erklärt Oskar Baenziger, Leiter der Intensivstation.

Manuelle Beatmung ist nur Notlösung
Das Kinderspital Zürich ist kein Einzelfall. So bestätigen das Luzerner Kantonsspital oder das Universitätsspital Zürich, dass ihre Beatmungsmaschinen auf den Intensivstationen keine Stützbatterien haben. Zwar schreiben die Vorschriften über elektrische Installationen in medizinisch genutzten Räumen Notstromanlagen vor, die innert 15 Sekunden Strom liefern müssen. «Eine Vorschrift, die eine unterbruchfreie Stromversorgung für Geräte wie etwa Beatmungsgeräte fordert, gibt es aber nicht», erklärt Kurt Hess vom Unispital Zürich.

Zwar ist das Pflegepersonal für Notfälle trainiert und wechselt im Ernstfall auf manuelle Beatmung. «Eine Beatmung von Hand verträgt aber nicht jeder Patient, besonders nicht über längere Zeit», sagt Margrit Kessler, ehemalige Intensiv-Krankenschwester und Präsidentin der Schweizerischen Patientenorganisation.

Grund für die Ausrüstungslücken ist – wie so oft – das Geld. «Es ist auch eine Kostenfrage, ob ein Spital alle Beatmungsgeräte mit einer Stützbatterie ausrüstet», so Kessler. Natürlich könnte man jedes Gerät mit einem Notstromaggregat ausstatten, argumentiert Hanspeter Dublanc vom Kantonsspital Luzern vorsichtig, «allerdings ist dies eine Aufwand- und nicht zuletzt eine Geldfrage. Wichtig ist es, ein Optimum an Sicherheit herauszuholen.»

Am Kinderspital Zürich kostet dieses Optimum an Sicherheit laut Baenziger nicht einmal 40'000 Franken – wahrlich keine grosse Summe.

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