Dem Schreiben war der «Jahresspiegel 2011» gleich beigelegt. Er koste «Fr. 21.80 oder mehr, je mehr Sie den Betrag aufrunden, desto grösser ist Ihre Hilfe für krebskranke Menschen». Wie viel die Krebsliga erhält und wie viel der Verlag, bleibt unklar.

Spendenanteil erstaunlich klein

Es «wäre schwierig», das im Werbebrief auf zwei Zeilen zu erklären, windet sich Hallwag-Projektleiterin Corinne Wissing. Schwierig? Felizitas Dunekamp, Geschäftsleitungsmitglied der Krebsliga, schafft es in der E-Mail an den Beobachter auf Anhieb: Pro verkauften Kalender erhält die Krebsliga Fr. 5.40. Was über dem offiziellen Verkaufspreis von Fr. 21.80 bezahlt wird, geht voll an die Krebsliga. Geht doch! Schwierig zu erklären ist höchstens, warum der Anteil für die Krebsliga so klein ist.

Die fehlende Transparenz stört Martina Ziegerer, Geschäftsleiterin der Stiftung Zewo, die ein Gütesiegel an vertrauenswürdige gemeinnützige Organisationen vergibt – auch an die Krebsliga. Die Zewo-Richtlinien untersagen die Weitergabe von Spenderadressen. Den Brief haben die Krebsliga-Spender aber vom Hallwag-Verlag erhalten, nicht von der Krebsliga. Es sei «Zufall», dass Hallwag auch Krebsliga-Spender anschreibe, sagt Hallwag-Projektleiterin Wissing, die Krebsliga gebe keine Adressen an Hallwag weiter.

Problematisch auch: Der Kalender wurde mitsamt Einzahlungsschein gleich dem Werbebrief beigelegt. Unbestellte Waren gegen Rechnung zu versenden verstösst ebenfalls gegen die Zewo-Richtlinien.

Wer nicht auf den Werbebrief reagierte, wurde vom Hallwag-Verlag nach zwei Monaten sogar gemahnt, entweder einzuzahlen oder den Kalender zurückzuschicken. Das müssen Betroffene indes nicht – sie dürfen den Kalender umsonst behalten.

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