Werner Lehner, Gemeinderat von Fahrwangen AG, machte als Privatmann bei einem Landgeschäft ein Schnäppchen, das sich sehen lassen kann: Bauland im Wert von rund 90'000 Franken bekam er – zum Preis von Landwirtschaftsland – fast geschenkt.

Grund waren die nur schätzungsweise angegebenen Zonenflächen. Die total 65,98 Ar grosse Parzelle lag sowohl in der Landwirtschafts- als auch in der Bauzone. Nach dem Verkauf stellte sich aufgrund einer ordentlichen Vermessung heraus: 3,67 Ar Bauland wurden zum Preis von Landwirtschaftsland verrechnet. Statt der 250 Franken pro Quadratmeter bezahlte Käufer Lehner der betroffenen Erbengemeinschaft nur Fr. 7.88.

Gemeinderat Lehner dazu: «Ich habe der Erbengemeinschaft vertraut, dass der Kaufvertrag, so wie er mir vorgelegt wurde, korrekt ist. Schliesslich war auch die andere Partei damit einverstanden.» Dass die Grössen der Zonenflächen auf dem Vertrag mit dem Vermerk «zirka» angegeben waren, fand er nicht aussergewöhnlich. Auch die Tatsache, dass er als Zuständiger fürs Hochbauwesen einen Wissensvorsprung hat, störte ihn nicht: «In Fahrwangen ist es üblich, dass Boden veräussert wird, ohne dass die Zonen genau vermessen sind.»

Die Erbengemeinschaft hatte keine Erfahrung mit dem Verkauf von Boden und war auf das Know-how der involvierten Instanzen angewiesen. Sie beauftragte das Aarauer Treuhandbüro Neue Immo AG, den Wert des Bodens und der sich darauf befindenden Gebäude zu ermitteln. Die Gemeinde Fahrwangen wurde angefragt, die Flächenangaben für die Parzelle zu liefern. Gemeindeschreiber Fredy Fischer erinnert sich noch an das Telefongespräch mit dem Treuhänder: «Ich wurde gebeten, die ungefähren Flächenangaben auf dem Plan aufzuzeichnen.» Für welche Zwecke die Angaben benötigt wurden, sei ihm nicht bekannt gewesen.

«Pflicht nicht erfüllt»
Ueli Kehl, Inhaber der Neuen Immo AG, sieht kein Fehlverhalten seinerseits: «Wir wurden nur beauftragt, eine Wertschätzung vorzunehmen. Den Wunsch nach einer Vermessung hätte die Erbengemeinschaft von sich aus äussern müssen.» Anderer Meinung ist Roland Suter von der Schweizerischen Schätzungsexperten-Kammer. Bei ungenauen Flächenangaben seitens der Gemeinde müsse der Treuhänder zwingend zurückfragen oder seinen Kunden zumindest auf die Ungenauigkeit aufmerksam machen. «Das Treuhandbüro hat in diesem Fall seine Pflicht nicht erfüllt», sagt Suter.

Die Verkäufer monieren, auch Notar Bruno Thut habe sie nicht genügend auf die Ungenauigkeiten im Vertrag hingewiesen. Thut widerspricht und stellt sich auf den Standpunkt, dies in ausreichendem Mass getan zu haben, «zumal die Ungenauigkeit aus dem Vertrag ersichtlich ist».

Hätte sich die ganze Geschichte etwa in den Kantonen Zürich oder Basel-Landschaft abgespielt, würden sich all diese Fragen gar nicht stellen: Dort ist es Pflicht, bei Landgeschäften exakt vermessene Parzellengrössen vorzulegen. Der Aargau schreibt dies nicht vor – noch nicht. Der Aargauer Kantonsgeometer Fritz Nick sieht Handlungsbedarf: «Das sollte geändert werden.» Bereits arbeitet der Bund ein entsprechendes Gesetz aus, das voraussichtlich 2008 in Kraft tritt. Ein schwacher Trost für die Fahrwanger Erbengemeinschaft, die die ungenaue Schätzerei rund 90000 Franken gekostet hat.