Es freut mich, dass heute bewiesen und offiziell bestätigt wurde: Sämtliche Anschuldigungen gegenüber dem Zürcher Lighthouse seitens Dritter wurden zu Unrecht erhoben.» So frohlockte Lighthouse-Stiftungsratspräsident Hans-Peter Portmann Anfang Dezember. Für den Freispruch kann er sich auf einen Bericht der kantonalen Stiftungsaufsicht abstützen. Diese hatte aufgrund von Beobachter-Artikeln (Nr. 22/99 und 24/99) und einer Anzeige des damaligen Lighthouse-Leiters Andreas Baumann ein Verfahren unter anderem wegen «Unzulänglichkeiten in der Rechnungslegung» eingeleitet.

Das Ergebnis der Untersuchung stellt einen Beinahe-Freispruch dar: «Sowohl hinsichtlich der Jahresrechnung 1998 wie auch 1999 (inklusive der Abrechnung der Weihnachtsaktion 1999) wurde die Ordnungsmässigkeit bestätigt. Damit liegt buchhalterisch eine korrekte Rechnung vor.» Im Übrigen hält die Stiftungsaufsicht in ihrem Bericht vom 15. November 2000 fest: «Erreicht wurde auch eine Verbesserung der Organisation.» Der Transparenz werde «vermehrt nachgelebt» und beim Controlling sei ein Prozess im Gang, «der noch nicht abgeschlossen ist».

Ex-Leiter macht massive Vorwürfe
Ein dem Beobachter zugespieltes Dokument – es handelt sich um die Anzeige von Lighthouse-Chef Andreas Baumann, der im Januar 2000 aus Protest gekündigt hatte – spricht eine andere Sprache. Es enthält gravierende Vorwürfe:

  • Kurz nach seinem Amtsantritt Ende 1998 habe der neue Stiftungsratspräsident Hans-Peter Portmann «quasi als erste Amtshandlung» praktisch alles Geld der Stiftung Lighthouse in Höhe mehrerer Millionen Franken auf «seine Bank», die Finter Bank in Zürich, transferiert. In dieser kleinen Privatbank bekleidet Portmann den Rang eines stellvertretenden Direktors.

  • Die Stiftungsrätin und Rechtsanwältin Brigitte von der Crone habe dem Lighthouse 1999 Zehntausende von Franken für Mandate in Rechnung gestellt, die sie als ehrenamtliche Stiftungsrätin eigentlich unentgeltlich hätte erledigen müssen.

  • Am schwersten wiegt der Vorwurf, bei der Bärenverkaufsaktion an Weihnachten 1998 seien Spendengelder verschwunden – ein Verdacht, den verschiedene Freiwillige bereits früher gegenüber dem Beobachter geäussert haben. Die Anzeige spricht von einer «Diskrepanz von gewaltigen 300'000 Franken, die nicht wirklich und grundlegend geklärt» worden sei. Baumann bestätigte die Echtheit des Dokuments, wollte sich aber mit Ausnahme des letzten Punkts nicht äussern, da ihm vom Lighthouse mit Klagen «wegen Verletzung des Geschäftsgeheimnisses» gedroht werde.


Wie kommt Baumann auf den Verlust von 300'000 Franken? Nach Abschluss der Spendenaktion habe er mit dem Stiftungsrat die Einnahmen aufgrund eines Inventars und früherer Erfahrungen auf 990'000 Franken berechnet. Die organisierende Werbefirma CP9 jedoch habe nach Abzug ihrer Kosten nur 690'000 Franken abgeliefert – ohne konkrete Belege. Von der abgelieferten Summe habe das Lighthouse noch den Einkauf der Plüschbären bezahlen müssen, so dass schliesslich ein Reinertrag von gut 100'000 Franken übrig blieb.

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Ein happiger Vorwurf, der Spender wenig freut: Wer für zehn Franken einen Bären kaufte, hätte also nur rund einen Franken für das Sterbehospiz gestiftet! Letzten Juni fand in dieser Sache ein Gespräch zwischen Stiftungsaufsichtschefin Karin Somma, Ex-Lighthouse-Leiter Baumann und Stiftungspräsident Portmann statt. Rechtsanwalt Kurt Meier, der als Vertreter Baumanns am Treffen teilnahm, bezeugt, dass über das verschwundene Geld grosse Beunruhigung geherrscht habe.

«Die Transparenz war nicht "comme il faut"», sagt Karin Somma heute zu den Ungereimtheiten. Mehr will sie dazu nicht sagen. Immerhin erklärt sie sich bereit, die beiden Streitparteien erneut «an einen Tisch zu bringen».

Portmann spricht von einer Differenz von «nur» 200'000 Franken, von denen rund 150'000 Franken als Kosten an die CP9 gegangen und etwa «50'000 Franken durch Diebstahl verschwunden» seien. Im Übrigen bestätigt er, dass seine Privatbank das Vermögen des Lighthouse verwalte – allerdings zu «Vorzugskonditionen». Auch im Honorarbezug der ehrenamtlichen Stiftungsrätin von der Crone vermag Portmann nichts Unrechtes zu erkennen: «Das ist gang und gäbe.»

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