Am 21. Dezember 1988 explodierte ein Jumbo der Pan Am über der schottischen Kleinstadt Lockerbie. Das Attentat riss 270 Menschen in den Tod.

Eine Schlüsselrolle bei den Ermittlungen spielte das fingernagelgrosse Fragment einer elektronischen Leiterplatte, das an der Absturzstelle gefunden wurde. Es entstammte einem Timer, wie sie der Zürcher Elektronikhändler Edwin Bollier in früheren Jahren nach Libyen geliefert hatte.

Lieferant: «Finanziell ruiniert»

Um den Zusammenhang zwischen dem Fundstück in Lockerbie und den Libyen-Timern zu untersuchen, besuchte ein Bundespolizist im Juni 1989 Bolliers Firma und beschlagnahmte einen Prototyp. Das führte die Ermittlungen in eine andere Richtung: Standen anfänglich palästinensische Ex­tremisten im Fokus, ermittelten die US- und die schottischen Behörden ab Mitte 1989 plötzlich nur noch gegen libysche Staatsangehörige (siehe Beobachter-Artikel «Das Schweizer Schweigen»).

Jetzt wird der langjährige Strafverfolger Felix Bänziger als ausserordentlicher Staatsanwalt klären müssen, weshalb es zur Beschlagnahmung kam.

Neu ins Rollen kommt der Fall, weil Bollier den damaligen Bundespolizisten und heutigen Nachrichtendienstler anzeigte und von der Eidgenossenschaft 47 Millionen Franken Schadenersatz fordert. Der Verdacht, er habe den Timer für die Lockerbie-Bombe geliefert, habe ihn finanziell ruiniert. Bollier wurde nie vor Gericht gestellt, ein Verfahren wurde erst zehn Jahre nach dem Attentat eröffnet – und von der Bundesanwaltschaft ergebnislos eingestellt.

Zweifel an der Echtheit

Das Beweisstück bleibt ein Rätsel. Die Gerichtsakten dokumentieren Widersprüche, die Zweifel an seiner Echtheit ­wecken. Bollier vermutet, das Fundstück stamme nicht von einem nach Libyen gelieferten Timer, sondern vom beschlagnahmten Prototyp. Sprich: Das Beweisstück sei von den Ermittlern fingiert worden. Da­rum fordert er seit Jahren eine materialtechnische Analyse.

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Die Untersuchung sei dem externen Staatsanwalt übertragen worden, um «jedem Anschein von Befangenheit ent­gegenzutreten», sagte Nathalie Guth vom Bundesanwaltschafts-Rechtsdienst der «NZZ am Sonntag».