Die ehemalige Kiesgrube im luzernischen Zell steht an einem heiklen Ort. Je nach Auffassung ist sie bloss von Wald umgeben – oder steht mitten im Wald. Seit zwanzig Jahren dient sie der Kieshandelsfirma Leuenberger AG als Bauschuttdeponie und als Standort für eine Recyclinganlage.

Die Bewilligung dafür lief 1999 ab. Die Firma reichte darauf ein neues Betriebskonzept ein: Auf dem Gelände soll fortan eine Deponie für «reinen» Bauschutt wie Ziegel, Steine oder Beton geführt und die Recyclinganlage weiter betrieben werden. Gemeinde- und Regierungsrat genehmigten das Gesuch.

Damit war eine Gruppe von Waldbesitzern nicht einverstanden; sie beschwerte sich beim Verwaltungsgericht. «Für den Betrieb einer Recyclinganlage fehlt der notwendige Abstand von zwanzig Metern zu den Waldgrundstücken meiner Klienten», erklärt der Luzerner Anwalt Rolf Bühler.

Doch das Luzerner Verwaltungsgericht lehnte die Beschwerde ab. Grund: «Das betreffende Areal gilt rechtlich als Wald. Da es sich bei den angrenzenden Grundstücken ebenfalls um Waldparzellen handelt, kommen die Regelungen über Waldabstände nicht zur Anwendung.» Wald muss zu Wald keinen Abstand halten – auch wenn auf dem Deponiegelände der Wald schon längst verschwunden ist.

Buwal spricht von «Sicherheit»
Bühlers Klientschaft zieht den Fall ans Bundesgericht weiter. Dieses hat bereits das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) um eine Stellungnahme gebeten. Pikant: Das Buwal erachtet Befürchtungen wegen zu knapper Abstände für berechtigt. Es spricht damit jedoch nicht Waldabstandsvorschriften, sondern «forstliche Sicherheitsabstände» an. Die Wortklauberei geht weiter.

Anzeige