«Wenn es die ganze Woche geschneit hat und danach am Samstagmorgen die Sonne scheint, dann läuten in meinem Kopf die Alarmglocken. An einem solchen Tag gehen viele Menschen in die Berge. Die Gefahr eines Lawinenabgangs ist gross.

Ich bin Mitglied der SAC-Sektion Wildhorn, die drei Rettungsstationen betreut: Erlenbach, Zweisimmen und Lenk. Wir haben nicht so viele Einsätze wie die Retter in den grossen Skigebieten, aber es passiert auch hier immer wieder etwas.

Bei jedem Lawinenniedergang suchen wir den Kegel ab; man weiss nie, ob jemand verschüttet ist oder nicht. Dafür brauchen wir Lawinensuchgeräte, Sonden, Schaufeln und Hunde. Bis vor drei Jahren war ich selbst Hundeführerin, aber mein Don ist jetzt pensioniert. Und der junge Hund ist noch in der Ausbildung.

Einen Toten zu finden ist immer schlimm – besonders wenn man ihn kannte. In einer ländlichen Gegend kommt das schon vor. Dann geben wir Retter uns in Gesprächen gegenseitig Halt. Als Leiterin eines Altersheims habe ich oft mit dem Tod zu tun, aber das lässt sich nicht mit den Einsätzen vergleichen. Im Heim bereitet man sich darauf vor, draussen trifft es einen unvermittelt.

In letzter Zeit mussten wir öfters nach Leuten suchen, die in die Berge gehen und zu Hause einen Abschiedsbrief hinterlassen. Aber es gibt auch schöne Momente: Im letzten Winter bargen wir zwei Jugendliche, die sich bei der Abfahrt verirrt hatten und von der Dunkelheit überrascht wurden. Die waren schön erleichtert, als wir kamen.»

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