Wenn jeweils im heissen Lohnherbst über unanständige Managerlöhne gezankt wird, stehen die zum Vergleich herbeigezogenen Bundesräte mit ihrem Jahressalär von 400'000 Franken fast schon als enthaltsame Musterknaben da. «Immer noch zu viel!», ruft nun aber Vox populi: Gemäss einer repräsentativen Umfrage des Beobachters erachten die Schweizerinnen und Schweizer ein Monatsgehalt von 14'500 Franken als ausreichend für ein Mitglied der Landesregierung - was einer Halbierung des Lohns gleichkäme.

Immerhin: Von den zehn Berufsgruppen, für die das gemäss Volksmeinung gerechtfertigte Brutto-Monatssalär erfragt wurde, kamen die ranghöchsten Schweizer Politiker noch am besten weg (siehe nachfolgende Grafik). Den Chefs von Topunternehmen würde gerade mal 13'500 Franken ausbezahlt, was den millionenschweren Spitzenverdienern dieser Gilde wohl kaum ein müdes Lächeln wert wäre. Mit den erstinstanzlichen Richtern müsste eine weitere Gruppe Entscheidungsträger Federn lassen - monatlich 10'500 Franken billigen ihnen die Schweizer zu. In der realen Arbeitswelt wird teurer gerichtet: So bezieht etwa Christine Steiger, Bezirksrichterin im beschaulichen Frauenfeld, 4000 Franken mehr.

Die Durchschnittsschweiz würde die Mächtigen und Einflussreichen also gern knapperhalten - eine Abstrafung für das Gehabe egozentrischer Wirtschafts- und Politgrössen. Was bei der vertieften Analyse der vom Basler Institut Konso durchgeführten Erhebung auffällt: Die Jungen unter den Befragten (15- bis 24-jährig) setzen die aus ihrer Sicht gerechtfertigten Monatslöhne deutlich tiefer an als die Älteren. Bei ihnen bekäme ein Bundesrat weniger als 10'000 Franken.

Doch es gibt auch Berufsgruppen, denen man eine Gehaltsaufbesserung wünscht. Allen voran die Architekten, für die 8500 Franken pro Monat als angemessen betrachtet werden - nicht schlecht angesichts der gültigen Lohnempfehlung des Branchenverbands SIA von 5700 Franken.

Die Hausärzte, deren reale Einkünfte auf Talfahrt sind (siehe Artikel zum Thema «Gesundheitswesen: Der Hausarzt, ein Notfallpatient»), dürften sich über eine solide «Fünfstellige» freuen. Im niedrigeren Gehaltssegment stimmt die öffentliche Einstufung mit den wirklichen Verhältnissen besser überein. Das Schlusslicht bilden die Kassierinnen im Detailhandel, wobei man ihnen laut Umfrage mehr gönnen würde (4500 Franken), als sie real erhalten (im Schnitt 3700 Franken).

Und wie sieht es mit der Zufriedenheit in eigener Sache aus? Mittelmässig. 59 Prozent der Befragten finden, ihr Gehalt sei gerecht, 41 Prozent folglich nicht.

Nicht zufrieden sind auffällig viele Frauen (49 Prozent; Männer: 33 Prozent) - kein Wunder angesichts des trotz Gleichstellungsgesetz nur schwer auszumerzenden Lohngefälles von bis zu einem Fünftel zwischen den Geschlechtern.

Welchen Brutto-Monatslohn finden Sie gerechtfertigt für...

Bundesrat 14'500.-
Geschäftsführer eines Topunternehmens 13'500.-
Hausarzt 10'500.-
erstinstanzlicher Richter 10'500.-
Architektin 8500.-
Primarlehrerin 6500.-
Krankenschwester 5500.-
Bauarbeiter 5500.-
Coiffeuse 4500.-
Kassierin bei Migros oder Coop 4500.-


Die Gehaltszahlen sind als Medianwert (auch Zentralwert) angegeben, wie das bei statistischen Lohnerhebungen üblich ist. Er liegt genau in der Mitte zwischen den oberen und den unteren 50 Prozent aller bei der Umfrage ermittelten Zahlenwerte.

Quelle: Institut Konso, repräsentative Umfrage unter 528 Personen in der deutschen und französischen Schweiz im Alter von über 15 Jahren, September 2007

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