In der Luftreinhalteverordnung (LRV) steht lediglich, dass Geruchsimmissionen nicht «übermässig» sein dürfen. Dies sei dann der Fall, wenn sie einen «wesentlichen Teil der Bevölkerung erheblich stören».

Was das konkret heisst, hat der ETH-Spezialist Markus Hangartner 1989 im Auftrag des Bundesamts für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) in einem Grundlagenbericht festgehalten. Hangartner zeigt darin auf, wie man Geruchsbelästigungen mit Hilfe von Probanden und mit gezielten Befragungen erfassen und quantifizieren kann. Diese Methoden und Daten gelten als Richtwerte und werden vom Buwal zur Anwendung empfohlen.

Doch das scheinen noch nicht alle Kantone gemerkt zu haben wohl zur Freude der Centravo: Seit die WVA AG in St. Margrethen aktiv ist, liess der Kanton St. Gallen noch nie Immissionsmessungen durchführen, obwohl er dies hätte anordnen können. «Solche Messungen sind technisch sehr schwierig», meint dazu Pressesprecher Walter Fäh.

Eine laue Ausrede. Andernorts werden solche Messungen längst erfolgreich durchgeführt zum Beispiel in der Stadt Zürich bei der Centravo AG. Zürich hat den von Hangartner empfohlenen Emissionsgrenzwert von 300 so genannten Geruchseinheiten zum städtischen Grenzwert erklärt und die Konsequenzen gezogen, als die Centravo AG den Grenzwert nicht einhielt.

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Deutsche Norm in Bern

Wieder anders ging der Kanton Bern im Fall GZM vor: Für den vom Kanton angeordneten Umweltverträglichkeitsbericht (UVB) zog das zuständige Amt Kiga ein Messverfahren aus dem deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen hinzu. Der Haken: Der Grenzwert nach diesem System erstellt für das Ruhrgebiet liegt x-mal höher als nach Buwal-Richtlinie. Die Folge: Der UVB kommt zum Schluss, dass die Geruchsbelästigung in den betroffenen Wohngebieten in Busswil zumutbar sei.

Buwal reagiert erstaunt

Merkwürdig ist nur, dass das Kiga selbst seit Jahren auf den Bericht von Hangartner verwies. Doch der Verantwortliche Hans Mathys hat offensichtlich seine Meinung geändert. In der Begleitkommission «Umwelt und Öffentlichkeit» der GZM Lyss gab er zu Protokoll, die Methode Hangartner habe sich «grundsätzlich nicht bewährt».

Worauf Mathys seine Aussage stützt, ist allerdings unklar. Beim Buwal jedenfalls löst sie Erstaunen aus: «Davon haben wir noch nie etwas gehört.»