Der Butterberg wird schwer und schwerer; im April wog er über 4000 Tonnen. Das heisst, gegenwärtig lagert mehr als doppelt so viel Butter in den Kühlhäusern wie üblich. Ende Jahr sollen es gar 7000 Tonnen sein.

So viel Butter mögen die Schweizer nicht essen, also sucht man Mittel und ­Wege, sie im Ausland loszuschlagen. Dafür gründeten Schweizer Bauern die Lacto­fama AG, die sich auf den Export von Milchfett konzentriert, aus dem Butter hauptsächlich besteht. Das Geschäft ist allerdings wenig einträglich. Verarbeiter wie Emmi oder Cremo haben es da besser, sie beschränken sich auf jenen Bestandteil der Milch, der im Ausland begehrt ist: Eiweiss.

Vor zwei Jahren, als der Butterberg den Schweizern ebenso schwer auf dem Magen lag, lief die Sache ähnlich. Damals richtete man einen Fonds ein, der die Ausfuhr von Butter finanzieren sollte. Verwaltet wurde er von der Branchenorganisation Milch (BOM). Das Betriebskapital von 34 Millionen Franken lieferten die Bauern selbst – über Abzüge bei der gelieferten Milch. Mit dem Geld setzten die Verarbeiter in kürzester Zeit neben 3000 Tonnen Light- und 7000 Tonnen vollfetter Butter auch noch 2000 Tonnen Vollmilchpulver und je 1000 Tonnen Milch und Rahm im Ausland ab.

Der Schnellste bekam das meiste Geld

Doch nicht alle waren damit glücklich. Die Gelder aus dem Fonds waren im Windhundverfahren vergeben worden: Der Schnel­lste bekam das meiste Geld. Die Langsamen gingen leer aus, zum Beispiel der Butterhersteller Cremo.

Anfänglich zahlte die BOM Exporthilfen nur an jene Milchverarbeiter, die den Bauern billige C-Milch abgekauft hatten. C-Milch ist zwar die genau gleiche Milch wie A- oder B-Milch, für sie gilt aber nur der sehr viel tiefere Weltmarktpreis. Damit ist C-Milch eigentlich so billig, dass man sie ohne Zuschüsse exportieren könnte. Die Milchverarbeiter hielten trotzdem die Hand auf.

Die Milch zu Schweizer Kosten zu produzieren und zu Weltmarktpreisen zu verkaufen ist für die Bauern nicht interessant. Damit sie trotzdem ausreichende Mengen an günstiger C-Milch lieferten, begannen die Verarbeiter, den Preis für C-Milch mit Geld aus dem Fonds künstlich zu erhöhen.

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Kritiker fürchten, dass es dieses Mal ähnlich läuft, auch wenn für den Export nicht mehr die BOM, sondern die frisch gegründete Lactofama zuständig ist. Als Verwaltungsratspräsident amtet der Präsident der Schweizer Milchproduzenten (SMP), Hanspeter Kern. Die Geschäftsstelle ist am Sitz der SMP angesiedelt. Mitglieder von Lactofama sind die Milchhandelsorganisationen, die entweder die Butterhersteller Emmi und Cremo mit Milch beliefern oder – wie Nordostmilch und der Milchhändler Walter Arnold – frei auf dem Milchmarkt tätig sind. Das Kapital der neuen Firma stammt aus einem früheren Milchstützungsfonds der SMP. Die Bauern müssen – fürs Erste – kein Geld einschiessen.

Die Verarbeiter haben auf die Firmengründung bereits reagiert und erneut die C-Milch eingeführt. So teilte Emmi den Bauern Ende März mit, sie werde neu 10 Prozent der Milch nur zum Preis von C-Milch verrechnen. Die Lieferung von C-Milch sei zwar «grundsätzlich freiwillig», schreibt Emmi.

Bauern aber, die ihre C-Milch lieber den Kälbern verfüttern, dürfen dieses Jahr keine Vertragsmilchmenge mehr zukaufen oder zumieten. Bei der Cremo erhalten die Milchbauern für einen Teil ihres Milchfetts ohnehin nur den Preis für die billige C-Milch. Andere Milchhandelsorganisationen wie die Aaremilch sind gerade daran, C-Milch wieder einzuführen.

Eine Win-win-Situation sieht anders aus

Dass sich die Milchverarbeiter freuen, wenn die Bauern die schlecht verkäuflichen Milchprodukte wie Butter selber entsorgen, ist verständlich. Entsprechend äus­serte sich Cremo-Generalsekretär Michel Pellaux kürzlich in den «Freiburger Nachrichten». Bei Emmi geht man davon aus, dass die Lactofama den C-Milch-Preis mit 18,5 Rappen subventionieren wird. Damit wäre das Kilo C-Milch nur drei Rappen billiger als B-Milch.

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Die Folgen sind absehbar: Für die Bauern bleibt es kurzfristig attraktiv, so viel Milch wie nur möglich zu produzieren. ­Eine klassische Win-win-Situation sieht trotzdem anders aus. Die Kassen der Lacto­fama werden rasch leer sein. Wer sie wieder füllen muss, ist bereits heute klar: die Bauern.