Vor zwei Jahren erging an alle Wehrmänner und -frauen der Befehl, bis Ende 2009 ihre Taschenmunition zurückzugeben. Der Rücklauf ist schleppend: Von den 257'000 ausgegebenen Blechbüchsen lagen Anfang Dezember noch rund 60'000 bei den Soldaten zu Hause – das sind drei Millionen Schuss.

«Ich glaube nicht, dass über die Festtage noch 60'000 Armeeangehörige in die Retablierungsstellen stürmen», sagt Werner Gartenmann, Stabsoffizier und stellvertretender Geschäftsführer der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns). Er hatte 2007 zur Verweigerung der Rückgabe aufgerufen: Der Wehrmann werde entwaffnet, dem Bürger das Vertrauen entzogen. Wie viele Sympathisanten seine Bewegung hat, kann Gartenmann nicht sagen: «Ich führe keine Kartei.» Ausserdem habe er die «Aktion ‹Notwehr jetzt!›» wenig gepflegt. «Ich überlasse das der Zivilcourage des Einzelnen.»

Viel Courage ist allerdings gar nicht nötig: Der Rückgabebefehl enthielt keine Strafandrohung. Welche Strafe Verweigerer zu gewärtigen haben, bleibt völlig offen. Zwar wird auf der Website des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) darauf hingewiesen, dass eine Verweigerung militärstrafrechtlich verfolgt werden kann. Laut Militärjustizsprecherin Silvia Schenker muss jedoch der Einzelfall geprüft werden. In «leichten Fällen» könne es bei einer disziplinarischen Massnahme bleiben.

Auch Gartenmann blieb von einer Anklage verschont, obwohl er mit seiner Aktion gegen Artikel 276 des Strafgesetzbuchs verstösst: Wer öffentlich zum Ungehorsam gegen militärische Befehle oder zur Dienstverletzung aufruft, macht sich strafbar. Auf solche Verstösse stehen Gefängnisstrafen.

Verlieren – die billige Lösung

Wer die Munition verloren meldet, hat hingegen gar nichts zu befürchten. Das Verlustformular gibts bequem im Internet: Zwei Kreuze («verloren», «gesucht, aber nicht gefunden»), eine Unterschrift, und die Armee schreibt die Munition ab. 35 Franken kostet die Soldaten die verlegte Gewehrmunition, 26 die Pistolenpatronen. Das entspricht den Kosten von Munition und Verpackung – ohne Bearbeitungs-, geschweige denn Strafgebühr. Anders gesagt: Wer seine Munition behalten will, kann sie unkompliziert zum Ladenpreis erstehen.

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Die legere Haltung der Armee im Umgang mit Munition verwundert selbst die Rückgabegegner: «Munition ist etwas Gefährliches», so Gartenmann. «Aber im Gegensatz zu den Militärschuhen, deren Nummer im Dienstbüchlein vermerkt ist, sind die Munitionsdosen nicht einmal personalisiert.»

Bis November hat das VBS rund 1300 bezahlte Verluste registriert. Ab 2010 will es einen Mahnungsprozess einleiten, der mehrere Monate in Anspruch nehmen werde. Das weitere Vorgehen will man erst danach festlegen.