Um es vorwegzunehmen: Der 60-jährige Rolf Erb, der seit seiner Pleite auf Schloss Eugensberg bei Salenstein TG residiert, ist unschuldig, solange er nicht rechtskräftig verurteilt ist. Der Prozess vor dem Winterthurer Bezirks­gericht findet Anfang 2012 statt. Was die Winterthurer Staatsanwaltschaft III für Wirtschaftsdelikte in einer 140-seitigen An­kla­geschrift zusammengetragen hat, ist starker Tobak, obwohl Staatsanwältin Susanne Leu nur mög­liche Delikte ab 1998 erfasst hat – we­gen Verjährung.

Im Vordergrund stehen gefälschte Bilanzen, mit denen Rolf Erb die kreditgebenden Banken getäuscht haben soll, damit sie weiterhin Mittel zur Verfügung stellten. Gemäss Anklage waren die Unternehmen Herfina, Unifina, Uninvest, EBC, Corcar, Uniwood und ­Hugo Erb AG bereits 1998 pleite gewesen, erhielten aber bis 2003 Kredit.

Ende 2002 betrug die gesamte Überschuldung rund fünf Milliarden Franken. Mit spekulativen Devisen- und Immobiliengeschäften sind Milliar­den zuvor in Deutschland verschwunden.

Getäuschte Grossbanken

Obwohl Rolf Erb – und seinem im Juli 2003 verstorbenen Vater Hugo – der Zustand des Unternehmens hätte bekannt sein müssen, zahlte er sich bis zur Pleite im November 2003 einen Jahreslohn von 1,1 bis 1,2 Mil­lio­nen Franken aus. Vater Hu­go bezog rund eine Million, Bruder Christian eine halbe.

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Die Täuschungen der Banken waren möglich, weil Revisor Albert J. Manser, ein persönlicher Freund von Hugo Erb, Hand bot zu geschönten Revisionsberichten.

Am tiefsten in der Tinte sitzen die beiden Grossbanken CS und UBS, bei denen die verschiedenen Unternehmen der Erb-Gruppe Kredite in der Höhe von 265 respektive 385 Mil­lio­nen offen hatten. Sie hatten wenige Monate vor dem Zusammenbruch noch Kredite verlängert. Auch die Thurgauer Kan­tonalbank schloss im Juni 2003 einen Rahmenvertrag für Kredite von fast 50 Millionen Franken ab.

Nicht zu Schaden kam die Zürcher Kantonalbank, weil sie sich ihren dreistelligen Millionenkredit rechtzeitig zurückzahlen liess. Der frühere Finanz­chef der Erb-Gruppe, Hans ­Voegeli, wechselte 1998 zur Zürcher Kantonalbank.

Sein Schloss hat er verschenkt

Vor der Pleite schenkte Rolf Erb seiner Lebenspartnerin das Inventar von Schloss Eugensberg im Wert von 1,4 Millionen Franken; seine beiden Söhne erhielten das Schloss selbst sowie weitere Liegenschaften – was die Anklage als Gläubigerschädigung taxiert.

Gegendarstellung

Der Beobachter behauptete unter anderem, die Erb-Gruppe sei Ende 2002 mit 5 Milliarden Franken überschuldet gewesen und es seien mit Devisen- und Immobiliengeschäften Milliarden in Deutschland verschwunden.

Beides ist unrichtig. Die Erb-Gruppe war Ende 2002 nicht überschuldet, und es sind keine Gelder verschwunden, weder mit Devisen- noch mit Immobiliengeschäften.

Der Beobachter behauptete weiter, Rolf Erb habe im Jahre 2003 einen Lohn von Fr. 1,1 bis 1,2 Millionen bezogen, und er habe seiner Lebenspartnerin das Inventar von Schloss Eugensberg geschenkt. Das ist ebenfalls falsch. Rolf Erb bezog im Jahre 2003 einen Lohn von weit unter Fr. 1,1 bis 1,2 Mio., und er hat seiner Lebenspartnerin auch nicht das Inventar von Schloss Eugensberg geschenkt.

Es trifft schliesslich auch nicht zu, dass der Revisor der Erb-Gruppe Hand bot zu geschönten Revisionsberichten.

Rolf Erb, Salenstein

Eine Gegendarstellung erlaubt es dem Betroffenen, nachteilige Behauptungen mit eigenen Gegenbehauptungen zu ergänzen. Offen bleibt, wer recht hat.  Die Redaktion