Es ist eine hässliche Geschichte: Eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter des St. Galler Konkursamts werden von ihrem direkten Vorgesetzten mit anzüglichen Sprüchen und Nacktfotos per E-Mail belästigt (siehe Artikel «Amtlich bewilligtes Mobbing»). Sie machen dies und fachliche Mängel in der Konkursabwicklung in einer Mit­arbeiterbefragung publik. Es kommt zum Kesseltreiben gegen die Kritiker, die bei der Zweigstelle Buchs arbeiten. Statt dass die Opfer geschützt würden, werden sie von der zuständigen Regierungsrätin Kathrin Hilber (SP) freigestellt und entlassen. Begründung: «ungenügende Leistungserbringung» und «definitiv zer­störtes Vertrauensverhältnis».

«Leerlauf» und «Farce»

Die Betroffenen nehmen sich einen Anwalt, unterliegen vor dem kantonalen Verwaltungsgericht und ziehen ihre Fälle weiter ans Bundesgericht. Und das höchste Gericht zeigt dem Departement des Innern und seiner Vorsteherin mit identischer Begründung zweimal die rote Karte: Weil der Rauswurf schon vor der Anhörung der beiden Konkursbeamten feststand, wurde das rechtliche Gehör ausgehebelt. Das Bundesgericht spricht von «Leerlauf» und einer «Farce». Die Ver­fügungen des Departements des Innern wurden aufgehoben und sämtliche Kosten dem Kanton aufgebürdet.

Rückkehr ist kaum zumutbar

Und: Sollte das zuständige Departement an der Kündigung festhalten wollen, wären – so das Bundesgericht – «andere Personen mit der Durchführung des Verfahrens zu be­trauen». Regierungsrätin Hilber gilt als befangen. Zudem müsste sich die Behörde «inhaltlich mit den Argumenten der Beschwerdeführer auseinandersetzen» – also mit der sexuellen Belästigung und den kritisierten Zuständen im Konkursamt.

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Einer der beiden illegal Entlassenen erhält wieder seinen Lohn vom Kanton und arbeitet nach einer schweren Erkrankung temporär. Für die gemobbte Konkursbeamtin ist eine Rückkehr kaum zumutbar. Wird keine einvernehmliche Lösung gefunden, klagt sie auf Schadenersatz und Genug­tuung. Es geht um mehrere hunderttausend Franken. Die hässliche Geschichte kostet den Steuerzahler so oder so viel Geld.