Medienprofessor Roger Blum hat eine Leiche geerbt – eine reiche. Es geht um rund 20 Millionen, die in einer Stiftung stecken, die ihren ursprünglichen Zweck nicht mehr erfüllen kann: den Erhalt der «Solothurner Zeitung» und weiterer Titel der Vogt-Schild Medien Gruppe. So wollte es die Gründerfamilie Vogt, darum richtete sie in den fünfziger Jahren die Stiftung ein. Dennoch verkaufte der Stiftungsrat das Unternehmen 2009 an die AZ Medien Gruppe («Aargauer Zeitung»). Der Erlös ging an die Vogt-Stiftung.

Roger Blum, der im Januar in Pension ging, soll ihr jetzt neues Leben einhauchen, zusammen mit dem ebenfalls in den Stiftungsrat gewählten Publizisten und Edipresse-Direktor Peter Rothenbühler.

Die Regierung segnet alles ab

Damit das Unternehmen überhaupt verkauft werden konnte, musste am Zweck der Stiftung geschraubt werden. Neu darf sie Bildungs- und Forschungsprojekte im Medienbereich unterstützen, auch ausserhalb der Region. Die Solothurner Regierung bewilligte die Änderung.

Bei Politikern kam das nicht gut an. Der Solothurner CVP-Kantonsrat Urs Allemann reichte im November eine Interpellation ein, im März soll im Parlament das «willfährige Vorgehen» der Regierung debattiert werden. «Die Verlegerfamilie wollte die regionalen Medien stärken. Obwohl diese wirtschaftlich gesund waren, sind sie verkauft worden und werden jetzt vom Aargau aus gesteuert», kritisiert Allemann.

Der Verkauf kann nicht rückgängig gemacht werden. Doch was geschieht mit den Millionen? Von einem «namhaften Betrag» hat 2009 das Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Bern profitiert, Zahlen werden geheim gehalten.

Christian Müller, ehemaliger Geschäftsleiter der Vogt-Schild-Gruppe

Institutsleiter war bis Ende Januar der umtriebige Netzwerker Blum, der im Dezember dann selbst in den Stiftungsrat gewählt worden war. Blum hatte sich in der Vergangenheit stets besorgt über Monopolisierungen in der Zeitungslandschaft gezeigt. Jetzt darf er über den Erlös einer solchen Monopolisierung mitverfügen.

«Universitäre Projekte in einem anderen Kanton zu finanzieren hat sicher nichts mehr mit der Idee der Unternehmensgründer zu tun», so Allemann. Blum sieht das anders: «Mit dem Geld haben wir im vergangenen Jahr praktische journalistische Kurse des Instituts mitfinanziert.» Dies entspreche dem neuen Stiftungszweck.

Doch mit solchen Kursen ist jetzt Schluss. Blums Nachfolgerin, die deutsche Professorin Silke Adam, will das Institut neu ausrichten. «Politische Kommunikation» soll künftig der Fokus sein. «Der Bezug zur journalistischen Praxis fällt weg», teilte das Institut Ende Januar mit.

«Jetzt genau hinschauen»

Für Christian Müller, den ehemaligen Geschäftsleiter der Vogt-Schild-Gruppe, verstossen Zahlungen an das Institut darum klar gegen den Stiftungszweck – auch gegen den neuen: «Das Institut hat ja nichts mehr mit Journalismus oder Medienförderung zu tun.» Man müsse jetzt genau hinschauen, wohin das Geld fliesse, denn die neuen Stiftungsräte seien keine Solothurner.

Laut Müller wäre es besser gewesen, die Stiftung hätte das Unternehmen zu einem günstigeren Preis an die AZ Medien Gruppe verkauft. «Dem Journalismus hätte das mehr gebracht, weil der wirtschaftliche Druck auf das Unternehmen kleiner gewesen wäre. So hätten mehr journalistische Arbeitsplätze erhalten werden können.» Nach der Übernahme wurde die Redaktion der «Solothurner Zeitung» halbiert und eine Regionalredaktion geschlossen.

Wer künftig von den rund 20 Millionen profitieren wird, will Stiftungsrat Blum noch nicht sagen. «Wir sind in einer Brainstorming-Phase.» Ob das Berner Medieninstitut weiterhin Geld bekommen wird, soll vom «Charakter allfälliger Gesuche» abhängen.