«Mein erster Gedanke, als ich die Bilder sah: Hoffentlich waren das keine Muslime», erzählt der 29-jährige Mustafa Dikbas aus Gerlafingen SO. Der Journalist türkischer Abstammung ist in der Schweiz aufgewachsen und steckt mitten im Einbürgerungsverfahren. Jetzt fürchtet er, dass Schweizer Politiker die Attentate als Vorwand nehmen könnten, um in Einbürgerungsfragen einen harten Kurs zu fahren.

Er ist nicht der Einzige, der solche Befürchtungen hegt. Viele der rund 200'000 Muslime, die in der Schweiz leben, machen sich Sorgen. Sie haben Angst, mit den mutmasslich islamistischen Tätern in einen Topf geworfen zu werden.

Muslim Ahmed Ö. sagt: «Ich spüre, dass mich viele Leute als Bedrohung empfinden. Sie schauen mich an und fragen sich: Vielleicht ist das auch ein Attentäter.» Und Sheik Ibrahim Yousef von der Stiftung Islamische Gesellschaft Zürich erzählt, dass

einige seiner Glaubensbrüder und -schwestern seit den Terroranschlägen angepöbelt würden. Von massiven Drohungen gegen Muslime berichtet auch Georg Kreis, Präsident der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus: «Dabei sind das Menschen, die seit Jahren oder Jahrzehnten als unbescholtene Bürger in der Schweiz leben.»

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Manchmal reicht schon der Name. Der 33-jährige Mohammed Abdul Soël K. ist Schweizer und christlich getauft. Zum Islam hat er keine Beziehung. Doch weil sein Vater aus Pakistan stammt, trägt er neben seinem Vornamen Soël auch noch die beiden arabischen Namen Mohammed und Abdul. Auf offiziellen Papieren und dem Pass sind alle drei

Namen vermerkt. «Bereits vor dem 11. September wurde ich deswegen am Zoll genauer unter die Lupe genommen als andere Schweizer», sagt Soël K. «Ich habe Angst, dass das nun noch schlimmer wird.»

Ismail Amin, Präsident der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich, sagt: «Dass sich Terroristen auf den Islam berufen, macht uns allen Mühe. Diese Leute missbrauchen die Religion für ihre eigenen Zwecke.» Sigi Feigel, Ehrenpräsident der israelitischen Cultusgemeinde, warnt vor einer antiislamischen Stimmung und pauschalen Schuldzuweisungen. «Unsere muslimischen Mitbewohnerinnen und Mitbewohner sind anständige Menschen wie du und ich. Sie dürfen nicht verantwortlich gemacht werden für die Verbrechen von einigen Fanatikern.»

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