Die 68er schafften bekanntlich die Sexualmoral ab. Wer mehr als einmal mit der gleichen Frau beziehungsweise dem gleichen Mann intimen Kontakt hatte, gehörte bereits zum Establishment. Nun verdichten sich die Anzeichen, dass diese Irrlehre auf unsere nächsten Verwandten im Tierreich, die Menschenaffen, übergreift. Ein Gentest hat den «Silberrücken» Kisoro, 17, als gehörnten Patriarchen der Gorilla-Grossfamilie im Basler Zolli entlarvt. Wima, der Mutter der heute dreijährigen Chelewa, haftet seither der Makel der promiskuitiven Kommunardin an.

Für die Basler Zoologen ist es eigentlich keine Überraschung, dass es so weit kommen konnte. Üblich ist gemäss Zolli-Sprecherin Tanja Dietrich, dass die Weibchen jeweils die Initiative zum Schäferstündchen ergreifen. Allerdings hat Wima die Sache übertrieben: Sie hat sogar den Betreuern eindeutige Zeichen gegeben - hinter dem silbernen Rücken von Clanchef Kisoro. Klar auch, dass der heute neunjährige Viatu auf die Anmache der gleichaltrigen Wima reagierte - wer eine Gelegenheit nicht nutzt, den bestraft das Leben.
Doch Wima und Viatu haben damit ein Tabu gebrochen: Denn bei den Gorillas ist der Clanchef für die Fortpflanzung zuständig. Mit 13 Jahren nehmen die Rückenhaare der Gorillamännchen eine silberne Farbe an. Zugleich nimmt in dieser Phase die Muskelmasse gewaltig zu. Dann hat der «Silberrücken» die Chance, Clanchef zu werden. Nimmt er sie wahr, behält er diese Stellung mitsamt ihren Pflichten und Freuden bis ins hohe Alter. Er hat es nicht einmal nötig, seine Position mit Gewalt zu verteidigen: Ein scharfer Blick, kombiniert mit Imponiergehabe, genügt, um einen jungen Rivalen zur Ordnung zu rufen.

Das süsse Geheimnis verteidigt

Doch wenn ein raffiniertes Weibchen wie Wima mitmischt, können sich die Zoologen nicht auf die natürliche Ordnung im Affenclan verlassen. Da Gorillas bedroht sind und sich der Zoo Basel am europäischen Erhaltungszuchtprogramm beteiligt, muss über die Vaterschaft absolute Gewissheit herrschen, sonst droht die Gefahr der Inzucht, wenn Tiere in andere Zoos verlegt werden. Der Gentest drängt sich auf. «Wima zeigte sich höchst unkooperativ, als die Betreuer Haare und Kot von ihrem Jungtier holen wollten», sagt Tanja Dietrich, «man musste sie überlisten, um an Chelewa heranzukommen.» Wima muss geahnt haben, dass diese Proben gar manches ans Licht bringen würden.

Quelle: Zoo Basel
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