Exakt 150 Jahre lang verrichtete sie zuverlässig ihren Dienst. Zuerst für die Centralbahnlinie Basel–Olten (heute SBB), dann für die schmalspurige Waldenburgerbahn. Die älteste Eisenbahnbrücke der Schweiz ist 56,16 Meter lang und 76 Tonnen schwer. Am Stadtrand von Liestal führt sie über das Flüsschen Frenke.

Bereits 1922 hatte sie wegen erhöhten Verkehrsaufkommens nur wenige Meter parallel daneben eine stämmige Schwester erhalten. Diese führt zwei Spuren. Im Rahmen von umfassenden Sanierungsarbeiten an der neuen Brücke entschieden die SBB 2003, die alte Brücke in Pension zu schicken.

Die kantonale Denkmalpflege war sogleich zur Stelle. Sie beantragte, die Eisengitterkonstruktion unter Schutz zu stellen. Doch der Stadtrat von Liestal will für den Unterhalt des ingenieursgeschichtlich bedeutenden Bauwerks nicht aufkommen: «Die SBB und die Waldenburgerbahn sollen sich als Eigentümerinnen für den Erhalt des wertvollen Kulturguts einsetzen», liess er verlauten.

Asyl bei Bernhard Luginbühl?
Walter Niederberger, stellvertretender Denkmalpfleger des Kantons Basel-Landschaft, hätte sich sogar mit einem neuen Standort zufrieden gegeben. Die Denkmalpflege ging zusammen mit den SBB einen unkonventionellen Weg: Sie bot die Brücke offiziell als Geschenk feil – Lieferung frei vors Haus. Und siehe da: Es meldeten sich Interessenten. Unter ihnen der bekannte Eisenplastiker Bernhard Luginbühl, der der Brücke in seinem Skulpturenpark im bernischen Mötschwil Asyl gewährt hätte. Und das Städtchen Laufen witterte die Chance, mit alten Trägerteilen einen lange geforderten neuen Übergang über das Flüsschen Birs zu realisieren.

Doch das Geschenk kam nicht zustande – weil sich dann doch eine einfachere Lösung aufdrängte. Zusammen mit den SBB rief der Baselbieter Heimatschutz eine Stiftung ins Leben, die sich dafür einsetzt, die Brücke als Fussgängerüberführung umzunutzen. «Wir stehen kurz vor Unterzeichnung der Verträge, und ich bin zuversichtlich, dass die Rettungsaktion erfolgreich sein wird», bekräftigt Walter Jermann, Geschäftsführer der Baselbieter Heimatschutz-Sektion. Die Stadt Liestal, die das Geschenk so schnöde von sich wies, ist an der Stiftung nicht beteiligt.

Vorerst allerdings darf die Brücke den SBB noch letzte Dienste erweisen – und umgeleitete Züge über die Frenke bringen.

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