Vorgezogene Entsorgungsgebühren gibt es für Glasflaschen, Batterien und Akkumulatoren. Regierung und Parlament des Tessins wollten diese auch für Hunde einführen. Die Hunde selber zeigten sich indifferent, ihre Halter hingegen protestierten sofort und mit Ingrimm.

Dabei wollten die Tessiner Volksvertreter nur Gutes. Der Kanton ächzt unter der Schuldenlast, jährliche Defizite von 60 bis 70 Millionen Franken treiben den Finanzverantwortlichen die Schweissperlen ins Gesicht. Um die marode Staatskasse zu entlasten, schlug der Staatsrat dem Parlament im Herbst 2008 vor, eine Reihe von neuen Gebühren einzuführen. Die Idee: Dienstleistungen, die vom Staat erbracht werden, sollen verursachergerecht nur von jenen bezahlt werden, die sie auch beziehen.

Der Vorschlag gefiel, das Parlament gab seinen Segen. Die Umsetzung aber geriet, in Teilen, zum Fiasko. «Cest le ton qui fait la musique», der Ton macht die Musik, weiss der Volksmund. «Vorgezogene Entsorgungsgebühr für Hunde» klingt zugegebenermassen einfach schräg. Schlimmer noch: Der Begriff steht im Widerspruch zu einem grundsätzlichen Wesensmerkmal unseres Innenlebens.

Es gibt ein paar Dinge, an die die menschliche Psyche nicht gern erinnert wird. Etwa, dass man sich bei Grossmutter nicht für das Geburtstagsgeschenk bedankt hat oder dass der Termin für die Abgabe der Steuererklärung bereits vor Wochen abgelaufen ist. Auch Bellos oder Fidos Tod gehört dazu. An diesen aber wird unweigerlich erinnert, wer den ungeschickten Begriff hört.

Anzeige

Was Wunder, fegte im Juni ein Proteststurm durch die Täler, als die Hundehalter aufgefordert wurden, 40 Franken Hundeentsorgungsgebühr zu bezahlen, egal, ob ihr Vierbeiner eben erst geboren wurde oder im Sterben lag. «Hunde werden auf die Stufe von Kühlschränken herabgewürdigt», sagt Davide Burcheri von der Kynologischen Vereinigung Tessin. Das sei aus ethisch-moralischer Sicht völlig inakzeptabel. Diskriminierend sei die Gebühr obendrein. Katzen und Vögel könnten kostenlos ins Grab. Die Kynologische Vereinigung rief, unterstützt von der Lega dei Ticinesi und der Tessiner SVP, zum Boykott auf.

Laut Kantonstierarzt Tullio Vanzetti hätten mit der Gebühr die jährlichen Kosten der Hundekadaverentsorgung von rund 500'000 Franken gedeckt werden können. Aufgrund des massiven Protests verzichtet der Staatsrat auf die umstrittene Abgabe. Im Herbst will er einen neuen Vorschlag unterbreiten, am Verursacherprinzip soll aber festgehalten werden. Bleibt zu hoffen, dass die Beamten bei der Wahl der Bezeichnung mehr Feingefühl walten lassen. Wie wäre es zum Beispiel mit «Canine Himmelfahrtsreisekosten-Pauschale»? Zu bezahlen erst bei Reiseantritt, versteht sich.

Anzeige