Für mich ist das Thema abgeschlossen», lässt Nicolas Hayek senior ausrichten. Er kenne das Uhrenkonzept nicht. Deshalb habe er dazu nichts zu sagen, sagt der Verwaltungsratspräsident der Swatch Group. Dabei scheinen alle nur darauf zu warten, dass er endlich etwas sagt.

Doch beginnen wir von vorn. In Biel gibt es – unglaublich, aber wahr – keine öffentlichen Uhren. Die Plätze der Heimat von Rolex, Omega und Swatch sind uhrenlos. Dass zudem die Uhren an den Bieler Uhrengeschäften anscheinend lediglich als Blickfang dienen und samt und sonders stillstehen, ist da nur eine kuriose Anekdote.

Was ist los in der Uhrenmetropole? Tragen die Bielerinnen und Bieler ausnahmslos Armbanduhren? Oder geht der Müssiggang am Jurasüdfuss so weit, dass der zeitweilige Blick auf ein Zifferblatt überflüssig geworden ist? Weit gefehlt. Längst sollte es auch im Bieler Stadtbild Uhren geben. Nur eben: Es hapert mit der Umsetzung.

«Schwachsinn!»


«Wie bringen wir die Uhr in die Uhrenstadt?» – Schon vor der Expo.02 gab Stadtpräsident Hans Stöckli ein Uhrenkonzept in Auftrag. Das Papier kam wie bestellt – und verschwand in der Schublade. Es sei bei der Swatch nicht gut angekommen, chlöönt Stöckli. Beim Konzept habe die einheitliche Gestaltung des öffentlichen Raums im Vordergrund gestanden: «Ein Denkfehler.» Schliesslich wolle jede Firma ihre eigene Uhr zeigen. «Es ist nirgends so schwer, ein Uhrenkonzept umzusetzen, wie in Biel», seufzt der abtretende Baudirektor Ulrich Haag. Nirgends sei die Gefahr so gross, jemanden zu benachteiligen.

Hayek schweigt, Stöckli zaudert, und so wird es in der Uhrenmetropole Biel vorderhand wohl keine öffentliche Uhr geben. Wirklich? Auf dem Zentralplatz ist letzthin ein Zeitmesser installiert worden, dessen grellrote Digitalanzeige munter im Kreis herumläuft. «Ein Ärgernis», mault ein Passant. «Dieses Ding gefällt niemandem.» Kein Wunder – stammt der nervöse Apparat doch aus China, wie man im Seeland frotzelt. «Schwachsinn!», bellt Stadtvater Stöckli. Die Uhr komme aus Zürich. Nur einige unbedeutende Komponenten seien chinesischer Herkunft.

«Um niemanden zu vergraulen, haben wir uns für ein neutrales Produkt entschieden», erläutert Stadtbaumeister Ulrich Haag. Er ist wegen der fremden Uhr von allen Seiten angefeindet worden. Uhr? – «Informationsträger!», korrigiert Haag.

Quelle: Alexander Jaquemet