Es gibt sie tatsächlich, die Ferien, in denen man alles vergisst – sogar das eigene Auto, mit dem man Wochen zuvor zum Flughafen fuhr. Dann steht es verlassen in einem dieser grauen, kalten Parkhäuser in Kloten und wartet vergeblich auf die Rückkehr seines Halters, der in der Südseesonne glatt verschwitzt, es wieder abzuholen.

Jedes Jahr werden laut Flughafenbetreiberin Unique 10 bis 15 Fahrzeuge zurückgelassen, landen dann auf dem eigens dafür eingerichteten Abstellplatz, um zuletzt – im besten Fall – an der jährlich stattfindenden Gant an einen neuen Besitzer verhökert zu werden. Denn nicht immer gelingt es Unique respektive der eingeschalteten Polizei, dem Gedächtnis des rechtmässigen Besitzers auf die Sprünge zu helfen. Mit dem Verkaufserlös werde man zumindest für einen Teil der Umtriebe entschädigt, lässt die Flughafenbetreiberin verlauten.

Ob allerdings wirklich die Meeresbrise die Erinnerung verwehte oder gar eine Kokosnuss die Teilamnesie auslöste, darf meist bezweifelt werden. Denn vorwiegend handelt es sich bei den «vergessenen» Autos um «Schrotthaufen», betont Unique-Sprecherin Sonja Zöchling.

Wer erwischt wird, zahlt kräftig drauf

Ist das Flughafen-Parkhaus also einfach eine billige Entsorgungslösung? Martin Sorg von der Zürcher Kantonspolizei verneint: «Für uns ist es meist ein Leichtes, den Halter zu eruieren. Er muss schon sehr gewieft sein und einige Mühen auf sich nehmen, um unentdeckt zu bleiben.» Das Nummernschild abzuschrauben reicht jedenfalls nicht. Und wird man erwischt, kommt man nicht mit der blossen Parkgebühr davon. Und schon allein diese kann happig ausfallen, wurden die Tarife auf Neujahr doch um durchschnittlich gut zehn Prozent erhöht; nach vier Wochen können bis zu 586 Franken fällig werden.

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Allerdings steckt hinter der Autoausmusterung nicht immer böser Wille. Martin Sorg erinnert sich an einen Fall, bei dem ein Ferienrückkehrer sein Fahrzeug als gestohlen meldete, nachdem er es im Parkhaus stundenlang vergeblich gesucht hatte. «Dabei hatte er in weiser Voraussicht extra einen dafür vorgesehenen Erinnerungszettel am Parkhausausgang abgerissen», erinnert sich Sorg. Dennoch blieb auch die Suchaktion der aufgebotenen Polizei erfolglos – ein Diebstahl schien plausibel, die Versicherung zahlte den Schaden. Monate später kam der vermeintlich gestohlene Wagen dann doch noch zum Vorschein – «unter einer dicken Staubschicht», so Sorg. Ein Flughafen-Mitarbeiter hatte die Gedächtnisstützen versehentlich vertauscht und im falschen Parkhaus aufgehängt – und so Fahrzeughalter und Polizei auf die falsche Fährte geschickt.

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