Und ewig lockt der Apfel: Mit einem Pro-Kopf-Verzehr von 18 Kilo pro Jahr ist und bleibt er der Eidgenossen köstlichste Frucht. Der gesunde Genuss wird denn auch mit Haut und Kern ausgekostet, wie eine aktuelle Demoscope-Umfrage im Auftrag des Schweizerischen Obstverbands zeigt: Fast 90 Prozent essen den Apfel ungeschält, wie Gott ihn für den Baum der Erkenntnis im Garten Eden schuf - und ein Drittel verzehrt ihn sogar samt Bütschgi, Gürbsi oder Gigetschi, wie das Kerngehäuse je nach Region im Volksmund heisst. Dabei zeigt das weibliche Geschlecht besonders Geschmack an der ältesten kultivierten Frucht der Welt: 70 Prozent der befragten Frauen beissen täglich oder mehrmals pro Woche zu, bei den Männern sind es 57 Prozent.

Die Ergebnisse dieser Marktstudie rücken den Konsumenten als vorbildlichen Nahrungsverwerter in ein gutes Licht. Ob das Wissen um die feinstoffliche Vitalität des ordinären Bütschgis mitspielt? Rolf Matter, Mediensprecher des Schweizerischen Obstverbands, relativiert: «Es ist wohl eher eine Gewohnheit oder gar Bequemlichkeit, den Apfel mit Bütschgi aufzuessen, weil so kein Abfall übrig bleibt.»

Ein Kraftwerk der Natur

Gut zu wissen: Das Kerngehäuse des Apfels ist ein wahres Kraftwerk der Natur. Rund um das Bütschgi konzentrieren sich verschiedene Mineralstoffe, die fünf Kammern des Innersten enthalten besonders viele Nahrungsfasern und Antioxydantien - Stoffe, die Zellschäden vorbeugen können.

Für den Rohkostapostel Doktor Maximilian Oskar Bircher-Benner gab es kein Pardon. Der Schöpfer des nach ihm benannten Müeslis ordnete an, allen Patienten in seinem Sanatorium «Lebendige Kraft» am Zürichberg «d Spys» samt Schale und Bütschgi - also mit Stumpf und Stiel - vorzusetzen. Dieses Diktat hatte vor rund 100 Jahren auch der berühmte Kurgast Thomas Mann zu schlucken. Wortgewaltig kanzelte er später in einem Brief das Sanatorium des «radikalen Doktors» als «hygienisches Zuchthaus» ab.

Heutzutage hat man am Birchermüesli und anderen Apfelspeisen nicht mehr schwer zu beissen. In der warmen wie in der kalten Küche unterliegt der Apfel einer Kastration. Die meisten Rezepte schreiben vor, das Kerngehäuse zu «beseitigen». Gegebenenfalls ist es grosszügig zu «entfernen» oder gar «herauszustechen». Bis der Apfel ohne Bütschgi auf den Markt kommt, ist wohl nur eine Frage der Zeit.

Quelle: Archiv
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