Eine der ersten Stationen des Basler Sächsi-Trämlis auf Allschwiler Boden heisst einfach nur «Kirche». Gemeint ist die reformierte Christuskirche das einzige der vier Gotteshäuser im 18000-Seelen-Vorort, das akustisch noch eine Rolle spielt. Die anderen halten sich zurück: Die Katholiken haben den nächtlichen Glockenschlag beerdigt, und die christkatholische Kirche bimmelt sehr leise. Ob nun auch die Christuskirche des Nachts stumm bleibt, wird am 19. Oktober an der Urne entschieden.

Als die Reformierten 1932 die Christuskirche bauten, lag sie im Niemandsland zwischen Allschwil und Basel. Ihr kräftiges Geläut lockte die Gläubigen von weither ins Gotteshaus. Ein Ort, an dem die funktionale Architektur des Bauhausstils eine vollkommene Symbiose mit dem nüchternen Zwinglianismus eingegangen ist und ganz dazu angetan, die Emotionen aus dem Gesichtsfeld zu verbannen.

Dass sie nun doch aufwallen, ist dem Bauboom der fünfziger Jahre zu verdanken: Er holte das Dorf zur Kirche; seither nehmen die Reklamationen der Anwohner über die Störung der Nachtruhe kontinuierlich zu.

Sowohl Plage als auch Trost

So beschloss die Kirchgemeindeversammlung im vergangenen Juni, dass die letzte Zeitangabe um 22 Uhr und die erste um 6 Uhr ertönen solle, denn «für Menschen, die wegen Stress, Schmerzen, Krankheit oder schwierigen Entscheidungen unter Schlaflosigkeit leiden, kann die viertelstündliche Zeitmahnung eine Plage sein».

Nicht mit uns, sagten sich Raymond Bulloni, Anni Züst und Hans Barth: Sie ergriffen das Referendum. In knapp 30 Tagen sammelten sie, notabene in der Ferienzeit, über 740 gültige Unterschriften. Dazu rund 160 ungültige Unterschriften von Katholiken.

Begründung: Der Glockenschlag gebe der Nacht eine Struktur und spende so manchem schlaflosen Menschen Trost in der durchwachten Dunkelheit. Hans Barth spricht aus Erfahrung: «Als ich im Spital den Schlaf nicht fand, zählte ich die Glockenschläge. Das war beruhigend.»

Nicht nur das. Eine bange Frage plagt die Verfechter der Tradition zusätzlich: Wenn schon der nächtliche Stundenschlag beerdigt wird, wann schlägt dann dem Ein- und Ausläuten des Gottesdienstes die Stunde? Wo hört die Erosion des Althergebrachten auf? Da mag es kaum beruhigen, dass wenigstens die Trämlistation «Kirche» noch lange an die Existenz einer Organisation gleichen Namens erinnern wird.

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