Bienenzucht ist nicht immer ein Honigschlecken. Deshalb klingt es grundsätzlich vielversprechend, dass das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic ein Insektizid zur Bekämpfung der gefürchteten Varroamilbe zugelassen hat. Der aus Indien eingeschleppte Parasit rafft jeden Winter anfällige Bienenvölker dahin.

Allerdings: Das neue Medikament Checkmite hinterlässt im Honig nachweislich Spuren. Zudem zeigen sich die Bienen nach drei bis vier Jahren resistent. Deshalb reichte der Verband der Deutschschweizer und rätoromanischen Bienenfreunde (VDRB) bei der Rekurskommission Beschwerde ein: Vorläufig kommt das Gift nicht in den Verkehr.

«Für Checkmite besteht überhaupt kein Bedürfnis», erklärt Dieter Schürer, Mitglied des VDRB-Zentralvorstands und als Hobbyimker Herr über 20 Bienenvölker. Man könne den Milben erfahrungsgemäss auch mit natürlich vorkommenden Säuren zu Leibe rücken.

Stein des Anstosses ist der Wirkstoff Coumaphos. Diese Art Nervengift kann selbst bei einer Dosierung im Toleranzbereich das Wachs verunreinigen und im Honig Spuren hinterlassen.

Das Gift würde sich verbreiten

Die Kettenreaktion ist programmiert: Die meisten Imker lassen ausgedientes Bienenwachs an Sammelstellen zurückgehen. Dort werden daraus neue Wachsmittelwände gegossen und wieder an die Imker verkauft. Durch dieses Recyclingverfahren würden auch Völker mit dem Insektizid in Kontakt kommen, deren Besitzer bewusst die Finger von Chemie lassen. Schürer schätzt, dass sich die Giftreste in Wachs und Honig erst 20 Jahre nach Absetzen von Checkmite auf das heutige Niveau zurückbilden würden. Das sei ein «Verhältnisblödsinn».

Anton Imdorf von der eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux pflichtet bei. Der Projektleiter Varroabekämpfung ist überzeugt: «Dieses chemische Mittel braucht es nicht.» Sein Institut hat alternative Strategien entwickelt, die die Reinheit des Honigs nicht mindern: «Wir empfehlen, gezielt bestimmte organische Säuren oder Thymol einzusetzen, die sich in kleinen Dosen von Natur aus im Honig finden.» Diese Methode hat bei 80 Prozent der Schweizer Imker längst Schule gemacht. Sie setzen auf Reinheit und halten es mit dem biblischen Hohelied: «Iss Honig, mein Sohn, denn er ist gut und deinem Gaumen süss.»

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