Die Nachricht schockt jeden Freund der Malerei: Der Schimmelpilz hat 371 Gemälde der kantonalen Sammlung von Basel-Landschaft befallen. Sie lagerten in den feuchten Katakomben der Villa Gauss in Liestal, einst Wohnsitz des gleichnamigen Pfarrers. Die Medien suchten nach Verantwortlichen für den angeblichen Schlendrian und mussten mit kaum verhohlenem Zorn feststellen, dass diese nicht mehr zu finden seien.

Klar, dass die Museumsmitarbeiter am meisten unter dem Malheur leiden, denn sie sind von Berufs wegen Kunstliebhaber. Jede Pilzspore ist ein Stich in ihr Herz. Da kaufte der Kanton 70 Jahre lang Bilder - klar, dass er nicht alle zeigen konnte. Einen Teil musste er verwalten. «Diese Aufgabe ist nicht erkannt und darum unzulänglich wahrgenommen worden», schreibt Direktorin Barbara den Brok. Wobei nur zehn Prozent der Sammlung in der Villa ihr feuchtes Dasein gefristet haben.

Mit Schutzausrüstung in den Kampf Jetzt muss sich Konservatorin Diana Fahrner mit der Pilzaustreibung befassen. Die Aufgabe könnte schwieriger nicht sein, denn insgesamt haben sich fünf Arten Schimmelpilz gegen die Bilder verschworen. An Mut darf es Fahrner und ihren Kollegen nicht fehlen, denn Sporen können in die Luft gewirbelt werden. «Aus diesem Grunde schützen sich die Restauratoren mit einer persönlichen Schutzausrüstung.»
Man kann davon ausgehen, dass die Konservatoren-Restauratoren als Sieger aus dem Kampf hervorgehen: Zuerst rücken sie mit Spezialstaubsaugern dem Schimmel zu Leibe, darauf begasen sie die Bilder unter einem luftdichten Plastikzelt. Doch trotz technischer Überlegenheit wäre jegliches Triumphgeschrei verfrüht. Denn man bedenke: Der Schimmelpilz verdankt sein Entstehen organischen Stoffen in den Farben früherer Maler. Zu nennen wären Hasenleim und Störleim.

Ausgerechnet jetzt stecken die Museumsmitarbeiter in Vorbereitungsarbeiten für eine Frühjahrsausstellung, deren Grundlage organische Stoffe sind. Ihr Name: «Gaggi». Die Ausstellung «für Kinder und Familien» im kantonalen Museum.BL in Liestal befasst sich mit menschlichen Ausscheidungen. Auf diesen gedeiht der Schimmelpilz bekanntlich ausgezeichnet. Bei der Auswahl der Exponate ist deshalb äusserste Vorsicht geboten.

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