Was haben Grenchen SO und Riehen BS gemeinsam? Genau: nichts. Endlich gibt es eine Studie, die diesen Umstand belegt. Ein Städtevergleich des Institut de hautes études en administration publique hat ergeben, dass von 104 Städten der Schweiz Riehen die höchste (206 Punkte) und Grenchen (129,5 Punkte) die niedrigste Lebensqualität zu bieten hat.

«Die Auszeichnung ist verdient, natürlich», findet ein selbstzufriedener Michael Raith, Gemeindepräsident von Riehen. «Wir haben in der Tat einige Dinge, die es sich zu haben lohnt», sagt er. Riehen biete stadtnahes Wohnen im Grünen, sozusagen gleichzeitig die Vorteile des Lebens in der Stadt und des Wohnens auf dem Land.

Riehen total top, Grenchen absolut flop? Das ist natürlich ausgemachter Schwachsinn. «Ich will den Sieger ja nicht schlecht machen – aber was ist denn Riehen ohne die Stadt Basel, ohne deren Arbeitsplätze und öffentliche Verkehrsmittel? Nichts!», meint ein missgelaunter Boris Banga, Stadtpräsident von Grenchen.

Tatsächlich, die Kleinstadt an der Solothurner Kantonsperipherie muss ganz alleine bestehen. Wollen wir mal sehen: Grenchen hat zwei Bahnhöfe mit Anschluss in alle Himmelsrichtungen, hat ein eigenes Bier und hat soeben den Innovationspreis Fussverkehr Schweiz erhalten. Hat laut einer Credit-Suisse-Studie dasselbe wirtschaftliche Potenzial wie Schaffhausen. Hat die Probleme erkannt. Hat einen grossen alten Baumbestand. Hat vorn die Aarelandschaft, hinten den Jura. Uns dünkt: Grenchen besteht mit Bravour!

Aber wie kommt es, dass die Perle des Mittellands so schlecht abschneidet? «Wissen Sie, eine Studie, die die Scheidungsrate als Indikator für Lebensqualität gleich hoch gewichtet wie die Lärmbelastung, kann ich nicht ernst nehmen», sagt Banga. Er sei seit zehn Jahren geschieden und seit fünf Jahren wieder verheiratet – seine Lebensqualität habe sich seither klar verbessert. Die guten Ränge der lärmgeplagten Zürcher Flughafengemeinden aber zeigten: Dieses Rating sei ein «Seich».

«Ich kenne die Details der Studie nicht. Ich kann mich nicht kompetent äussern», räumt der Riehener Gemeindepräsident ein. Es sei klar, dass Grenchen die schlechteren Rahmenbedingungen habe als Riehen. Aber es gebe einen kleinen Trost. «Ich weiss nicht, ob Boris Banga das weiss, aber seine Familie stammt eigentlich aus Riehen», sagt Michael Raith. «Vielleicht wären sie besser hier geblieben.»

Quelle: Peter Gerber