Die Doppelschraube ergibt neun Punkte, ein Strecksalto sieben, ein Flicflac fünf. Die Frauen springen, hüpfen, heben sich hoch, sie überschlagen sich und schreien: «Green, silver and white! Come on guys, let’s fight!»

Den Cheerleader des FC St. Gallen lief es rund an der diesjährigen Schweizer Meisterschaft. Nebst dem Titel holten die Frauen auch Gold in den Kategorien «Individuals», «Groupstunt» und «Cheerdance». 132,5 Punkte verbuchten sie zu ihren Gunsten; die Zweitplatzierten schafften gerade mal 89,5 Punkte.

«Wir haben hart gearbeitet», sagt der Headcoach der «Green Lightning Cheerleader», Tanja Graf. Während zweier Monate trainierte sie mit ihrer Truppe an fünf Tagen pro Woche - allein am Sonntag fünf Stunden lang. Im Hauptjob widmet sich Tanja Graf der Risikoanalyse und der Rabattprüfung bei einem Grossversicherer.

Vor zwei Jahren war Tanja Graf über eine Schulkollegin auf den Geschmack dieser Sportart gekommen, die anzusiedeln ist zwischen Bodenturnen, Aerobic und Akrobatik. Ihr liegt daran, Missverständnisse auszuräumen: «Wir Cheerleader sind keine Zicken und schon gar keine Tussis, wie man sie von den amerikanischen High-School-Filmen kennt. Wir treten weder nabelfrei auf, noch tragen wir Stiefelchen. Und Tanzeinlagen auf dem Bartresen kann man sowieso vergessen.»

Keine Liebesgeschichten

Die «Green Lightning» sind ein Tochterunternehmen des FC St. Gallen und vertraglich verpflichtet, die Mannschaft bei jedem Heimspiel per Spalier auf dem Rasen zu begrüssen. Im Weiteren beleben sie die Pause mit Showeinlagen. «Vom Match selbst bekommen wir nichts mit», sagt Tanja Graf. Und: «Liebesgeschichten zu den Fussballern sind verboten. Per Kodex haben sich alle Frauen dazu verpflichtet.»

Die Geschichte des Cheerleading geht ins 19. Jahrhundert zurück. Der erste bekannte «Cheer» - zu Deutsch: «Anfeuerungsruf» - ist 1880 belegt, und zwar auf dem Fussballfeld von Princeton in den USA. Im Frühjahr 2000 erreichte der «Cheer» St. Gallen: Das Training der «Green Lightning» begann. Die Anfeuerungsrufe reimen sich auch heute noch in der Klosterstadt - «das tönt einfach besser», sagt Tanja Graf. Tatsächlich. «Green, silver and white, we cheer for them, that’s right!»

Hart trainiert wird weiterhin. Im Juni gehts vielleicht an die Europameisterschaft nach Oslo.

Quelle: Daniel Ammann
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