Mit 53 Jahren müsste er vom Leben ganz schön gezeichnet sein, zumal er schon als ausgewachsenes Saubermännchen geboren wurde. Doch Papa Moll ist nicht alt zu kriegen. Im Gegenteil: Das liebenswürdige Familienoberhaupt mit dem markanten Eierkopf hat im neusten Comicband «Papa Moll auf der Alp» abgespeckt und legt eine überraschende Flexibilität an den Tag. Auch die bisher streng geschürzte Mama Moll hat mehr Spielraum und bei Bedarf sogar die Hosen an.

Für Verlagsleiterin Gisela Klinkenberg stand fest: Nach 50 Jahren hat der mollsche Zeigefinger ausgedient. Für das geplante Facelifting des Papas fand sie im Illustratorenehepaar Corinne und Raphael Volery-Schroff versierte Verbündete. Schon beim ersten Band, den die beiden vor acht Jahren noch zu Lebzeiten der Schöpferin Edith Oppenheim-Jonas gestalteten, trimmten sie den molligen Gesellen auf Vordermann. Als «Sportskanone» machte er damals plötzlich eine gute Figur.

«Pädagogisch wertvoll»

«Der Verlag stand hinter uns und liess uns bei der Gestaltung freie Hand», sagt Corinne Schroff. So verpasste die Illustratorin den computercolorierten Comiceltern eine lebendigere Mimik und unterstützte Mama Molls Emanzipation. Die betulichen Verse wurden entstaubt und kommen frischer, frecher und zeitgemässer daher.

Verlagsleiterin Klinkenberg freut sich über das modernere Outfit von Papa Moll: «Er ist mit seinen 53 Jahren bestens im Schuss.» Wie gut sich das Väterchen gehalten hat, zeigen seine unverwüstlichen fünf Haare, die immer noch unter Hochspannung stehen.

Als eine der wenigen Comicfiguren, die von einer Frau geschaffen wurden, lehrte Vater Moll über Jahrzehnte hinweg Jung und Alt das Schmunzeln. Der Vorzeigevater mit den drei Kindern Willi, Fritz und Evi und dem kecken Dackel Tschips sollte Anfang der fünfziger Jahre im Auftrag von Pro Juventute der «Flut von jugendgefährdenden Comics» Einhalt gebieten. Ohne Sprechblasen und in Reimen hielt die «pädagogisch wertvolle Figur» die traditionellen Werte und guten Manieren hoch. Edith Oppenheim, eine vehemente Verfechterin der Frauenbewegung, führte ihn 1952 bei der jungen Leserschaft mit folgenden Worten ein: «Hier steht unser Papa Moll./Er will gut und liebevoll/stets in redlichem Bemühen/seine Kinder nett erziehen./Doch die Tücke unsres Lebens/macht sein Streben oft vergebens.» – Cool, man.

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