Von diesem Schlussgang am Eidgenössischen Schwingfest in Aarau wagen die Rüebliländer kaum zu träumen: dass der Einheimische Thürig Mario den zweifachen Schwingerkönig Abderhalden Jörg am 26. August mit einem Kurzlätz auf die gültige Seite legt und dem Geschlagenen dann das Sägemehl von den Schultern klopft. Die Emotionen würden hochgehen. Die Ruhe behielte einzig der sechsjährige Dobi, Schweizer Meister aller Rassen - ein Zuchtmuni mit 1'300 Kilo Gewicht, seelenguten Augen und kommerziellen Hoden.
«Ein gutmütiges Tier - aber Vorsicht ist immer geboten», sagt Gabenchef Heinz Stämpfli und ergänzt, dass Dobi auch den «Natursprung» praktiziere. Der Böseste - in der Schwingersprache sind die Besten die Bösen - hat keine Wahl: Die Tradition verlangt, dass der Schwingerkönig den Muni erhält und ihn am Fest und später in seiner Wohngemeinde vorführt. Doch danach hört die Zweisamkeit meist auf. Denn Thürig Mario hat als Zimmermann kaum Verwendung für den stämmigen Berufskopulierer. Und sollte am Eidgenössischen ein Bauer obenauf schwingen, kann er seinen Kühen nur mit einem Stier derselben Rasse eine Freude machen.

Früher balgte sich nach dem Fest ein Rudel Viehhändler um den Königsmuni. Dem Schwingerverband sei Dank, ist dieses unwürdige Schauspiel vorbei. Entscheidet sich der König heute fürs Geld, zahlt ihm der Spender des Munis, in diesem Jahr heisst der Samuel Wehrli, 10'000 Franken, und der Muni kehrt zum Züchter zurück. Ist der Schwingerkönig Bauer und will er Dobi in seinem Stall, erhält der Züchter die 10'000 Franken.

Das Beauty-Geheimnis

Wehrli trennt sich frohen Herzens von diesem Betrag. «Es ist eine grosse Ehre, den Muni spenden zu dürfen. Sie fällt mir nur zu, weil der Hauptsitz meiner Firma im Aargau liegt», sagt er und gerät beim Stichwort Schwingen ins Schwärmen: «Mich hat es bereits als Lehrling gepackt, als ich das erste Schwingfest besuchte.» Selbst ist er nie in die Zwilchhose gestiegen, aber die Symbiose von Kraft und Schnelligkeit hat es ihm angetan. Nun freut er sich, etwas für diesen «echt schweizerischen Sport» zu tun, der so viele Junge begeistere.

Wehrlis Firma ist übrigens auf Wellness, Kosmetik und Coiffeurprodukte spezialisiert. Kein Wunder, besticht Dobi nicht nur durch Kraft und Eleganz sondern auch durch seine allerliebsten Locken zwischen den Hörnern.

Quelle: E.T. Studhalter/swiss-image.ch; Quelle: «Aargauer Zeitung»
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