Alles ist bestens vorbereitet. Taschenlampen, Stemmeisen, Sporttasche. Film ab: Als flinke Schatten dringen die Bösewichte ins nächtliche Gebäude. Da erspäht Michel Nellen, Maturand - er ist hier Regisseur und Kameramann -, im Augenwinkel einen Hund. Das Tier ist 20 Meter von ihm entfernt; es ist unruhig und wird energisch festgehalten von einem Fremden. Nellens Kollegin, die sich panisch vor Hunden fürchtet, hält die Gestalten für Einbrecher. Sie irrt: Es handelt sich um die Zürcher Polizei. Die Beamten halten die Filmszene für Wirklichkeit. Nach kurzer Zeit haben zehn Uniformierte die vier Maturanden umzingelt. Harry du Boidamont, der erfolgreichste Zürcher Diensthund, bellt jetzt ohne Unterlass.

Michel Nellen hatte für seine Filmidee eine wahre Begebenheit aufgegriffen: Vor wenigen Wochen waren in der Kantonsschule Freudenberg mehrere Dutzend Computer gestohlen worden. Der Streifen, ein Gemeinschaftswerk der Klasse 6a, war gedacht für die diesjährige Maturafeier. Den ersten Drehtag bezeichnet Nellen als «spannendsten Tag von sechs Jahren Gymnasium: Am Morgen fanden noch Französischprüfungen statt. Und nach einer Stunde Filmen meldete sich schon die Polizei.»

Glückwünsche von der Polizei
Nach einer weiteren Stunde wird den Polizisten klar, dass die Jugendlichen keine Einbrecher sind; ein Beamter beglückwünscht sie für die Echtheit der Szenerie. Dennoch: Nellen will jetzt alles abblasen. «Ich hatte noch nie mit der Polizei zu tun. Ich war völlig durcheinander.» Doch sein Team drängt zur Weiterarbeit. Um drei Uhr früh sind die Szenen im Kasten. Am folgenden Tag wird der Schulrektor bestürmt von Lokalradios, Zeitungen, Schweizer Fernsehen. Er weigert sich standhaft, die Namen der jungen Filmemacher herauszurücken. Es handle sich um eine interne Angelegenheit, sagt er.

7. September: Im Unterhaltungsprogramm der Freudenberger Maturafeier gibts Sketches, Rocksongs – und Michel Nellens Film. In den Darbietungen, erklärt der Rektor in seiner Rede, kämen ganz andere Begabungen zur Geltung, als die Schule es fordere. Seine Aussage wird durch die Besetzung der Hauptrolle belegt: Der heimliche Drahtzieher des nächtlichen Coups wird gespielt von Hanspeter Zweimüller, seines Zeichens Rektor der Kantonsschule Freudenberg.

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