Kriminelle testen neue Methoden noch immer am liebsten in der Provinz. Dort ist die Gefahr, gestört zu werden, merklich kleiner. Am 6. Januar 2008 bekam das ein Skilifthäuschen in Les Prés-d’Orvin ob Biel unsanft zu spüren: Früh am Morgen geht Glas zu Bruch. Diebe steigen zum Fenster ein. Sie begehren den Tresor, dunkelgrün, einen Meter hoch, je 50 Zentimeter breit und tief. Das Ding ist schwer, 300 Kilo, aus massivem Metall. Was nun? Wieder bietet sich das Fenster an, der kürzeste Weg. Die Diebe hieven den Geldschrank ins Freie und rauf auf den erstbesten Schlitten. Der Davoser kracht und splittert. Das Schweizer Qualitätsprodukt hat versagt. Im Schneematsch zu Berge muss eine Lösung her, rasch, denn bald dämmert es. Die Rettung steht im Schuppen: ein kanadischer Schlitten der Sanität. Es regnet und stürmt. Auf Kufen gehts nun bergab, leise gleitend, 30 Meter bis zur Strasse. Ab ins Auto, mit dem Geldschrank auf und davon.

«Der kommt nie mehr weg»Das Dorf erwacht. An diesem Sonntag ists um die Ruhe bald geschehen. Die Polizei erfährt vom verschwundenen Tresor. Dann weiss es die Presse. Auch im Dorf macht die Nachricht die Runde. Wers wohl gewesen sein könnte? Eine Bande von auswärts, oder gar Leute aus den eigenen Reihen? «Il y a toute sorte de bruit», erklärt Orvins Gemeindepräsident Damien Breitschmid, viel Lärm um einen stillen Diebstahl.

Niemand hat etwas gesehen. Auch nicht die Webcam an der Skiliftstation. Sie sandte ihr letztes Bild - schwarz wie die Nacht - um 4.45 Uhr ins Internet. Dann klappten die Diebe den Deckel des Laptops zu und unterbrachen damit die Verbindung. Fred Gebel, Betriebsleiter der Skilift SA, hat es rekonstruiert. Doch was hilfts, der Safe ist weg, und mit ihm 20'000 Franken. «Sicher, die Versicherung kommt für den Schaden auf», sagt Gebel und muss schmunzeln über das kriminelle Schlitteln und den ganzen Wirbel.

Den nächsten Tresor lässt er dennoch fest verankern. «Der kommt nie mehr weg», verspricht Christian Gysi, der den Auftrag gefasst hat. Schrauben mit einer Ausreissgarantie von bis zu 2,5 Tonnen, je vier in Wand und Boden: Dagegen kommt kein Wagenheber an. «Da braucht es ganz, ganz schwere Spreizgeräte», sagt der Tresorverkäufer. Im Werkzeugtäschchen lassen die sich nicht mitnehmen. Aber auf einem Schlitten wohl schon. Vielleicht einfach nicht auf einem Davoser.

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