Der Mensch produziert zirka eineinhalb Liter Speichel täglich. Dieser dient dem Transport der Nahrung sowie deren Vorverdauung. Bekanntlich verlässt der Speichel das Mundinnere auch in geballter Form – in den unterschiedlichsten Flugbahnen.

Emmen hat rund 27000 Einwohnerinnen und Einwohner. Grob gerechnet, produzieren diese 400 Hektoliter Speichel pro Tag. Und 60 Hektaren der Gemeindefläche von Emmen sind öffentlicher Grund.

Dies sind die Eckpunkte jener Problematik, deren sich die Emmener Direktion für Sicherheit, Gesundheit und Umwelt annahm. «Auf die Welt spucken!» lautet die Überschrift eines Plakats, das in 200facher Ausführung an Emmens Wänden zu lesen ist. Wer Zeit zu lesen hat, erfährt: «Spucken ist keine taugliche Art, sich die Anerkennung der andern zu verschaffen. Wer seinen Mitmenschen unappetitlichen Auswurf oder ausgelaugten Kaugummi zumutet, demonstriert Verachtung und Respektlosigkeit.»

Die Kampagne wird beachtet


Wann die Menschheit auf den Boden zu spucken anfing, ist keiner Wissenschaft bekannt. Welche Gemeinde heute die höchste Speichelfleckendichte im Land aufweist, wird nicht erfasst. Was aber führte Emmen zu seinem eindringlichen Appell? Robert Hagmann, dem Initiator, kam die Idee, als er zwei Knaben beim Wettspucken beobachtete.

Im Weiteren ärgerte ihn, wie Torschützen beim Fussball nach vollbrachter Tat immer spuckten, und erst noch in Grossaufnahme am Fernsehen. «Es geht um Vorbilder. Die Plakataktion hat erfreuliche Wellen geworfen», sagt Hagmann. Er kenne einen Primarlehrer, der seine Schüler mit einem Lappen in den Schulhof zurückschicke – damit sie die eigene Spucke wegwischten.

«Auf die Welt spucken»: Es ist noch nicht sehr lange her, da spuckte ganz Emmen auf die Welt. In sieben Abstimmungen zwischen September 1999 und Juni 2003 wurde über fast 100 Einbürgerungsgesuche an der Urne entschieden – mit steckbrieflicher Präsentation der Gesuchsteller. Möchtegernschweizer aus dem Balkan wurden in der Regel abgelehnt. Das Bundesgericht stoppte dies. «Auf die Welt spucken»: Für die Integrationszeitschrift «Leben in Emmen», die früher in Serbokroatisch, Albanisch und Deutsch erschienen war, fehlte der Gemeinde plötzlich das Geld.

Wie heisst doch der letzte Satz auf dem Spuckplakat: «Zeit, darüber nachzudenken.»

Quelle: Franca Pedrazzetti