Der Wein mit den zwei Eseln auf der Etikette sticht dem Lebensmittelinspektor sofort ins Auge. Er beschlagnahmt die Flasche auf seinem Kontrollgang durchs «Dorflädeli» von Metzerlen, Kanton Solothurn. Damit nimmt die Geschichte ihren verhängnisvollen Lauf, an deren Ende einem Wirt für ein Dutzend verschenkter Weinflaschen eine Rechnung über 220 Franken ins Haus flattert.

Am Anfang stehen einige Vertreter der gefährdeten Grosseselrasse Poitou. Sie gehören zur «Waldgrotte» in Buus BL. Diese ist halb Restaurant, halb Auffangstation für verletzte und verwaiste Wildtiere. Beizer Peter Staub ist gleichzeitig auch Wildhüter. Und er nimmt gerne altes Brot entgegen und verfüttert es seinen Eseln zum Dessert.

Das Brot kommt aus Metzerlen. Peter Staubs Tochter wohnt dort, 45 Minuten Autofahrt entfernt, unweit des Dorfladens. Dort fällt immer wieder Altbrot an. Die vertrockneten Ladenhüter wandern regelmässig zu ihrem Vater und seinen Eseln.

Irgendwann lädt Eselhalter Staub den Altbrotspender zum Sonntagsbrunch ein. Mit auf die Heimreise gibt er ihm ein Dutzend Halbliterflaschen seines hauseigenen «Eselweins». Rotwein, ein hundskommuner Cabernet Sauvignon aus Kalifornien, doch die selbst kreierte Esel-Etikette macht ihn in der «Waldgrotte» zum Verkaufsschlager. Kein Wunder: Der abgebildete Hengst Sancho war vor seiner Buusner Zeit Star in der deutschen Fernsehserie «Eisbär, Affe & Co.» über den Stuttgarter Zoo Wilhelma.

Kopfweh, Juckreiz oder Asthma

Zurück in Metzerlen, stellt der beschenkte Dorfladenbesitzer den «Eselwein» zum Verkauf ins Regal. Doch noch bevor die letzte Flasche über den Ladentisch geht, kommt der Lebensmittelinspektor. Seine Laboranalyse auf zwei A4-Seiten bescheinigt: «Zusammensetzung kein Mangel.» Trotzdem muss der «Waldgrotte»-Wirt Peter Staub die Analyse zahlen: 220 Franken.

Die Beamten hatten am Wein selbst zwar überhaupt nichts auszusetzen, doch auf der Etikette wurden sie fündig – oder eben nicht: Es fehlten die zwei Wörter «enthält Schwefeldioxid». Ein Verstoss gegen Artikel 10, Absatz 1e, Verordnung über alkoholische Getränke, beschieden sie dem Wirt. Denn sein Wein war geschwefelt, um ihn besser haltbar zu machen. 35 Milligramm Sulfit pro Liter notierten die Beamten. Das ist zwar weit unter dem Toleranzwert von 160, aber dennoch deklarationspflichtig. Empfindliche Trinker könnten allergisch mit Kopfweh, Juckreiz oder gar Asthma reagieren.

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Peter Staub freut sich über die amtlich besiegelte Qualität seines «Eselweins». Doch beim Kommentar zur Rechnung begnügt er sich mit zwei Worten: «Eine Eselei.» Jetzt hat er gegen die Verfügung Beschwerde erhoben.