Zwischen Pixi, Lumpi und Schätzeli haben jetzt auch die ersten Menschen ihre letzte Ruhestätte gefunden. Auf dem Tierfriedhof in Läufelfingen BL, am Unteren Hauenstein, dort, wo regelmässig Hunderte von Töfffahrern Grenzerfahrungen mit der Fliehkraft sammeln, sind 700 Tiere begraben - und seit kurzem auch drei Menschen. Wo deren Urnen liegen, wissen nur die Angehörigen. Denn eine Grabsteininschrift bleibt Vierbeinern vorbehalten. «Wir möchten ein Tierfriedhof bleiben. Deshalb soll nicht erkennbar sein, wo Menschen beigesetzt wurden», erklärt Betreiberin Marlies Mörgeli.

Hat die geliebte Katze ihre sieben Leben aufgebraucht, kann Frauchen zum Preis von 340 Franken für drei Jahre einen Grabplatz mieten. Wer seine eigene Asche im Tierfriedhof beisetzen lassen will, muss tiefer in die Tasche greifen: Für Menschen gibt es ab 4900 Franken Platz. Betreiberin Mörgeli sagt, im Vordergrund stehe bei den Leuten nicht der Wunsch, neben dem treusten Begleiter zu ruhen, sondern der Entscheid gegen einen konventionell «kalten» Friedhof. Denn an sonnigen Sonntagen ist es auf dem Tierfriedhof alles andere als mäuschenstill: Besucher mit Kind und Kläffer beleben die letzten Ruhestätten.

Katholische Bestattung? Nie im Leben!
Für Margrit Balscheit ist die Öffnung des Friedhofs für Menschen weder als Läufelfinger Gemeindepräsidentin noch als reformierte Theologin ein Problem: «Asche darf überall in der Natur verstreut werden. Und wo die sterblichen Überreste ruhen, ist nur für die Hinterbliebenen wichtig», sagt sie. Sie würde deshalb für ein Kirchenmitglied auch auf dem Tierfriedhof eine Trauerfeier leiten. Christine Rammensee dagegen, Pastoralverantwortliche beim Bistum Basel, schliesst eine katholische Bestattung auf dem Tierfriedhof kategorisch aus. Schliesslich unterscheide sich der Mensch als geistbeseeltes Wesen wesentlich vom Tier. Deshalb solle er auch auf einem Friedhof unter Menschen ruhen. Skeptisch ist auch Ethikprofessor Christoph Stückelberger: «Wer ein Tier mit ins Grab nimmt, macht es zu seinem Besitz. Er missachtet damit die Eigenständigkeit des Lebewesens.»

So ganz neu ist ein Gemeinschaftsgrab für Mensch und Tier allerdings nicht. Bereits im frühen Mittelalter liessen Mächtige ihre Pferde mit beerdigen. «Damit wollte man zeigen, was für eine machtvolle Position der Verstorbene innehatte», sagt der stellvertretende Baselbieter Kantonsarchäologe Reto Marti. In der Antike wiederum wäre eines undenkbar gewesen: «Am meisten fürchteten die Menschen, sie könnten in Vergessenheit geraten», sagt Marti. Deshalb hätte sich keiner namenlos zwischen Lumpi, Flöckli und Simba zur letzten Ruhe betten lassen.