Das ewige Leben hat niemand auf sicher. Wie aber stehts mit einem zweiten Auftritt - nach einem längeren, im Eis verbrachten Schlaf? Ein amerikanisches Unternehmen bietet dem interessierten Publikum an, den eigenen Leichnam einfrieren zu lassen. Wird die Technologie dereinst reif sein, kommt der Tag der Wiedererweckung.

Bis dahin gilt eine Lagertemperatur von minus 196 Grad in einem Temporärsarg, der mit Flüssigstickstoff angereichert ist. Preis des Experiments: zwischen rund 38’000 und 190’000 Franken. Wer nur sein Hirn lagern will, macht gut 100’000 Franken locker - einzuzahlen mit Anteilen aus Euros, Yen und Franken an folgende Adresse: Reanimation Foundation, c/o Präsidialanstalt, 9490 Vaduz.

Ob die eigene Arbeitskraft ein zweites Mal gefragt sein wird? Ob sie, erst einmal aufgetaut, für künftige Anforderungen überhaupt noch taugt? Die Reanimation Foundation weiss um derlei Fragen und verspricht «auf jeden Fall» soziale Integration. Und zudem gehts um die Vorsorge, denn: Während wir schlafen, arbeitet schliesslich unser Geld. Kein Jenseits empfängt uns - nein, blanke, fette Zinsen.

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Bloss «temporär entseelt»Wirklich? Der Vaduzer Stiftungsrat gibt sich zugeknöpft: Auskünfte über Statuten, Art der Anlage und Tätigkeit der Reanimation Foundation werden nicht erteilt. Ein Liechtensteiner Jurist bestätigt immerhin: Im Ländle habe auch ein Toter Anrecht auf Besitz - über Stiftungen bestehe die Möglichkeit, Erbschaftsansprüche einzuschränken. Das «Haben» ist also stärker als das «Sein».

Die Reanimation Foundation zählt ihre Klientel freilich nicht zu den Toten. Ihre Stifter sind bloss «temporär entseelt». Bereits 1’000 Interessenten seien weltweit gemeldet, ist via Internet zu erfahren, darunter auch «renommierte Wissenschaftler». Nur: Garantien für die zweite Geburt gibts nicht.

Auch von der UBS sind keine weiteren Details zu erfahren. Die Grossbank wird mehrfach als Geschäftspartnerin der Stiftung genannt - das Bankgeheimnis heisst sie zu schweigen. Dabei gäbe es so viele Fragen. Wie stehts um das Risiko nachrichtenloser Vermögen? Was passiert, wenn der Stifter auftaut, die Stiftung ihn aber nicht überlebt? Der Biologe macht diese Fragen noch drängender. Laut Kurt Bürki, Dozent an der Universität Zürich, besteht «keinerlei Hoffnung, eingefrorene Ganzorganismen jemals wieder zum Leben zu erwecken».

Sicher ist wohl nur eines: Einmal mehr gewinnen die Unverfrorenen.