Der Bildhauer Alberto Giacometti hätte wohl gar keine Freude an den neusten Forschungsergebnissen von Schweizer Virologen. Denn auf seinem Konterfei, das die 100-Franken-Note ziert, fühlen sich Viren pudelwohl. Dabei schielen die Krankheitserreger nicht auf den Wert: Auf dem 10er-Nötli fühlen sie sich nicht weniger zu Hause, ebenso auf dem 1'000er-Schein.

Zu diesem Schluss kommen Forscher des Nationalen Zentrums für Influenza in Genf. Sie gingen im Auftrag der Nationalbank der im Bankenland ketzerischen Frage nach: Wie dreckig ist Geld wirklich? Auslöser war die Sorge der nationalen Banker um die Gesundheit ihrer Angestellten, die tagtäglich Geld ausgesetzt sind.
Bei einer Raumtemperatur von 22 Grad Celsius besiedelten die Forscher das Papiergeld mit allerlei Viren. Einige überlebten keine Stunde. Doch das weitverbreitete Grippevirus H3N2 fand Gefallen am monetären Untergrund. Es hätte auch nach 24 Stunden noch einen Menschen befallen können.

Rotz als Überlebenshilfe

In einem zweiten Schritt vermengten die Forscher die Viren mit Schleim und strichen diesen in einer dünnen Schicht auf die Banknoten. Das Ergebnis war erschreckend: Die Überlebenszeit der Erreger vervielfachte sich schlagartig. Den Rekord notierten die Forscher bei 17 Tagen. Weshalb die Viren so lange durchhalten können, ist nicht geklärt. Die Wissenschaftler vermuten aber, dass sie dank der Flüssigkeit nicht so rasch austrocknen.

In einer letzten Phase gaben die Virologen Rachenraumabsonderungen dazu, umgangssprachlich kurz Rotz genannt. Dieser stammte von Kindern, die sich mit Grippe angesteckt hatten. Nach einem Tag wiesen die Forscher auf der Hälfte der Noten lebende Grippeviren nach.

All diesen Erkenntnissen zum Trotz bleiben die Experten auf die Gretchenfrage eine Antwort schuldig: Ob sich Menschen tatsächlich über dreckiges Geld mit Grippe anstecken, ist nicht geklärt. Wer trotzdem auf Nummer sicher gehen will, wäscht seine Hände - nicht das Geld. Nationalbank-Pressesprecher Werner Abegg beschwichtigt: «Auf Banknoten hat es nicht mehr Erreger als an einer Haltestange im Tram.» Jeder, der bei der nächsten Grippewelle hämisch grinsend seine Kreditkarte zieht, sei gewarnt: Wie gerne sich Viren auf Kreditkarten niederlassen, ist schlicht noch nicht untersucht worden.

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