Die Junioren des Volleyballclubs VBC KZO Wetzikon ZH waren verzweifelt. Die meisten Spiele der Vorrunde hatte man verloren, und zuletzt hatte es eine glatte 3:0-Niederlage abgesetzt. Die Spieler gingen zu verkrampft in die Matches.

Da fassten die 15- bis 18-jährigen Junioren und ihr 25-jähriger Trainer einen folgenschweren Entschluss: Gemeinsam würde man vor dem nächsten Spiel einen Haschkuchen verzehren, um ohne Druck aufspielen zu können. Am Morgen vor dem Match machte sich der Trainer also an die Zubereitung eines «Space Cake». Nach dem Mittagessen wurde der ominöse Bananenkuchen erwartungsvoll verspeist.


Dopingliste 2004 (PDF, 135 KB)


Den ersten Satz gewannen die gedopten Wetziker gegen Einsiedeln locker. Dann aber entfalteten sich die Kuchenzutaten. Aus den entspannten Siegertypen wurde ein wirres Häufchen, das torkelnd Löcher in die Hallenluft schlug. «Den Spielern wurde schwindlig. Sie sahen den Ball nicht mehr richtig und schätzten die Distanzen falsch ein», erzählt Christoph Casparis, Präsident des VBC KZO Wetzikon.

Strafverfahren wurde eingeleitet


«Wer bei einem Wettkampf positiv auf Cannabis getestet wird, riskiert eine Sperre von bis zu einem halben Jahr», erklärt Matthias Kamber, Leiter des Fachbereichs Dopingprävention im Bundesamt für Sport. Cannabis bewirkt zwar keine direkte Leistungssteigerung. Dennoch steht es seit dem 1. Januar dieses Jahres offiziell auf der Dopingliste.

Einer der Spieler musste sich nach dem Spiel, das prompt 1:3 verloren ging, übergeben. Die Sache flog auf, da Spieler, die anschliessend in der Herrenmannschaft spielen sollten, zu spät zum Einwärmen erschienen. Tags darauf wurde der Trainer vom Vereinsvorstand freigestellt. «Wer seine Verantwortung gegenüber Minderjährigen dermassen missbraucht, ist nicht länger tragbar», sagt Klubpräsident Casparis.

Damit war die Sache aber längst nicht gegessen. Als Bezirksanwältin Iris Matzinger aus der Zeitung vom Vorfall im November erfuhr, leitete sie ein Strafverfahren ein. «Ich hatte keine Wahl: Es handelt sich um ein Offizialdelikt.» In der Einvernahme gab der Extrainer an, gar kein Haschisch, sondern lediglich Red Bull und einen Schuss Kirsch in den Kuchen getan zu haben. Dem einstigen Übungsleiter war das Gegenteil nicht nachzuweisen. «Das Beweisstück war verzehrt.» Bezirksanwältin Matzinger stellte das Verfahren ein.

Nach dem Vorfall gings mit dem VBC KZO Wetzikon steil aufwärts. Im März wurde er doch noch – erstaunlich locker – Ligameister.

Quelle: Archiv
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