Pelzmantel-Sammelaktion zugunsten von hilfsbedürftigen Hirten in der Mongolei». Der Aufruf des Schweizer Tierschutzes (STS) sorgt für Irritation. Dass gut betuchte Damen ein Auslaufmodell auf elegante Weise und humanitär verbrämt liquidieren möchten, ist denkbar. Und sicherlich fristen landauf, landab altgediente Erbstücke quasi unter Tage in Mottenschränken ihr Dasein, da sie auch aus Pietät noch nicht im Thirdhandladen gelandet oder von der Anonymität eines Kleidersacks verschluckt worden sind. Zu schade zum Wegwerfen, gut genug zum Weggeben. So weit, so gut.

Aber wie, bitte schön, soll diese westliche Luxusgewandung in der Mongolei zum Tragen kommen? Zwängen sich die wettergegerbten Nomaden in einen taillierten Nerzmantel, oder werfen sich die Frauen ein ausladendes Persianercape um? Werden die Pferde beim Anblick ihrer herausgeputzten Besitzer störrisch, oder treibt sie der Mief der Mottenkugeln in die Flucht?

Projektleiter und Filmemacher Mark Rissi kann solche Bedenken ausräumen: «Eine Umfrage bei Sippenchefs vor Ort hat ergeben, dass die Mäntel schnell mongolisiert sind.» Die Hirten trennen die Kleidungsstücke auf und arbeiten die Teile als Futter in ihr traditionelles Universalgewand, den Deel, ein. So gehen auch Kuriosa aus Wolfs-, Murmeli-, Pferde-, Wildsau- oder Seehundfell nicht vor die Hunde.

«Mit den Pelz- und Fellteilen werden auch die Wiegen von Neugeborenen ausstaffiert», erklärt der Mongole Bileg Unen, der mit einer Schweizerin verheiratet ist und in Winterthur lebt. Beide machen sich für die Sammelaktion stark. Eva Unen hat bei der Kampagne rührende Szenen beobachtet. «Einige konnten sich nur schweren Herzens von ihrem Exemplar trennen», sagt sie. Jeder Pelz rufe Erinnerungen wach. Für die einen ist er Liebeserklärung, für andere Erblast. Der Abschied sei oft leichter gefallen, wenn sie und ihr Mann über die Not in der Mongolei berichtet hätten. Als ausgebildete Therapeutin habe sie den Spenderinnen auch zugeredet, ein letztes Mal über den Pelz zu streichen.

Rund 300 Kleidungsstücke sind zusammengekommen. Im Frühling werden sie in Containern in die Mongolei verfrachtet und in Zusammenarbeit mit lokalen Hilfsorganisationen unter Aufsicht von Mark Rissi in entlegenen Provinzen verteilt. Gerne würde der engagierte Tierschützer auch in St. Moritz, der Brutstätte von Prunk und Pelz, zum Sammeln aufrufen. In der Hülle liegt die Fülle.