Noch Anfang Jahr lief in der Werkstatt der Strafanstalt Gmünden bei Niederteufen alles rund. «Wegen der guten Auftragslage konnten wir unsere Häftlinge sogar mit einem Lohnzuschlag dazu motivieren, am Abend und am Wochenende Sonderschichten einzulegen», berichtet Anstaltsdirektor Kurt Ulmann. In der Werkstatt herrschte Personalnotstand. Gmünden war nur noch zu 75 Prozent belegt – seit der Revision des Strafgesetzbuchs sind kurze Gefängnisstrafen in Geldstrafen umgewandelt worden.

Doch seit April ist Ulmann um jede leere Zelle froh. Der scharfe Einbruch der Konjunktur hat auch vor den Gefängnismauern nicht haltgemacht. «Wir haben nur noch halb so viele Industrieaufträge und wissen kaum mehr, wie wir unsere Insassen beschäftigen sollen», sagt er. Für das ganze Jahr rechnet Ulmann mit einer kräftigen Umsatzeinbusse: statt 1,2 Millionen noch höchstens 800'000 Franken. Es droht der Fall in die roten Zahlen.

Damit könnte die Strafanstalt ihre ökonomische Unabhängigkeit verlieren und geriete noch stärker in staatliche Abhängigkeit: Sie überlebt nur dank den Insassenkostgeldern, die die Kantone je Häftling zahlen. Für Gmünden bleiben nur zwei Auswege: Entweder füllen sich die Auftragsbücher – oder es leeren sich die Zellen.

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China ist der härteste Konkurrent

In der Zwischenzeit ist Kreativität gefragt. Direktor Ulmann ist auf der Suche nach geeigneten Ideen. Eine Möglichkeit sei, verstärkt auf Selbstversorgung zu setzen. Man habe den Pächter bereits angefragt, ob man nicht ein paar Aren Ackerland selber bewirtschaften könne. Ausserdem werden Häftlinge damit beschäftigt, Läden und Zellengitter zu streichen.

Zunehmend Probleme bereitet der Gefängnisleitung jetzt auch der Absatz von Eigenprodukten – wegen der Globalisierung. Denn die hinter schwedischen Gardinen hergestellten Kleiderroller und Serviettenhalter werden immer stärker von Billigprodukten aus China konkurrenziert. «Die sind oft billiger als die Materialien, die wir zur Herstellung einkaufen», so Ulmann.

So trifft der Umsatzeinbruch die Häftlinge in voller Härte. Sie verlieren einen Teil ihres Einkommens. Denn ihre Tagesentschädigung, durchschnittlich 26 Franken, ist nicht gegen Kurzarbeit versichert. Immerhin müssen sie keine Angst vor einer Kündigung haben. «Entlassen wird keiner», versichert Gefängnisdirektor Ulmann. Im Streitfall mit dem Arbeitgeber könnten sich die Häftlinge auf das Strafgesetzbuch stützen: Danach ist jeder Insasse einer Schweizer Strafanstalt verpflichtet zu arbeiten.

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Arbeit, so steht es auch auf der Website der Anstalt, «ist ein sehr wichtiger Bereich im Strafvollzug und ein ausgezeichnetes Trainingsfeld für den Wiedereinstieg in die Gesellschaft». Die Insassen sollen so auf das Leben in Freiheit vorbereitet werden: Sie lernen zuverlässig und pünktlich zu sein und dass sich Einsatz lohnt. Und erfahren nun hautnah, was es heisst, wenn die Wirtschaft einmal nicht mehr brummt.