Der heiligen Maria seis geklagt: Den nach ihr benannten und früher vergötterten Glückskäfern droht in der Schweiz der Garaus, wenn sie asiatischer Herkunft sind. Eidgenössische Forschungs- und Amtsstellen überlegen, wie sie die eingeflogenen Zuwanderer unschädlich machen können. Diese haben es nämlich nicht nur auf lästige Blattläuse abgesehen, sie stopfen sich auch mit Gelegen einheimischer Marienkäfer voll. Dabei vermehrt sich ihre Population rasant, was die Gesetzeshüter zum Einschreiten ermächtigt: In der eidgenössischen Freisetzungsverordnung vom 21. November 2005 steht das asiatische Geziefer auf der Abschussliste der «verbotenen invasiven Tierarten» und gehört somit bekämpft.

Die Identifizierung der ungebetenen Kreaturen ist ein Kinderspiel: Der Eindringling glänzt mit 19 schwarzen Punkten auf den Flügeldecken und trägt ein schwarzes M auf dem Brustschild, während der hier eingesessene Glücksbringer mit sieben Tupfern punktet.

Ein Nützling verliert den guten Ruf

«Sein Auftreten in der Schweiz überraschte nicht», sagt Dirk Babendreier von der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART bei Zürich. Das in Japan und China heimische Insekt wurde bis vor wenigen Jahren in Amerika und Europa zur biologischen Bekämpfung von Blattläusen benützt.

2001 suchte der Fronarbeiter aus einem Gewächshaus in Belgien das Weite und stillte seinen Hunger erstmals in freier Natur. Dann machte er sich auf den Weg nach Süden. Letztes Jahr verköstigten sich die Läusekiller bereits 100 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt. In diesem Herbst setzten sie bei uns zur Landung an.

So auch im Wintergarten von Elli und Heiner Keller in Oberzeihen AG. Der Biologe und Zoologe stellte sich öffentlich auf die Seite der Krabbeltiere. «Ich sehe den Käfer weder als Plage noch als Gefahr», meint Keller. Dessen Auftreten in unseren Breitengraden sei eine Folge der Globalisierung. «Ursprünglich holte man die Käfer zur biologischen Schädlingsbekämpfung, jetzt werden sie selber bekämpft.» Wie, das ist dem Bundesamt für Umwelt nicht klar. Hans Hosbach, Sektionschef Biotechnologie: «Wir prüfen verschiedene Methoden.» Zoologe Keller verweist lachend auf ein bewährtes Verfahren: «Man könnte den Marienkäfern eine Meldepflicht auferlegen.»

Quelle: Bildagentur Keystone
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