Ausser Heimat gibts im Wallis nicht viel, womit sich Geld verdienen liesse. Wehe dem, der sie verunglimpft. Derzeit sorgt ein Film für Unmut, der genau das tut. «Neues von der Riederalp» ist kein Heimat-, sondern ein Pornofilm - und schlimmer noch: Etikettenschwindel. Gedreht wurde nämlich nicht auf dem Aletschgletscher, sondern in Salzburg, und die laut Beschrieb «heissen Walliserinnen» kommen allesamt aus Deutschland. Solcherlei ist im Filmgeschäft gang und gäbe: Unvergessen, wie der Bretone Pierre Brice als Winnetou das kroatische Velebit-Gebirge zum Wilden Westen machte - zusammen mit zahllosen jugoslawischen Komparsen.

Aber eben, «Neues von der Riederalp» ist kein Karl-May-Film. Der Streifen suggeriert während dreier Stunden, das kleine Hochmoor sei bei weitem nicht das einzige Feuchtgebiet auf der Riederalp. Damit will die Gemeinde nichts zu tun haben. Auf ungewollte Publicity könne man gerne verzichten, sagte Gemeindeschreiberin Helen Jeitziner gegenüber der Gratiszeitung «20 Minuten».

Zum Markennamen fusioniert

Thomas Scheurer, Inhaber des Erotikversandhandels Libosan, der den Film vertreibt, findet die Aufregung scheinheilig: «Die Riederalp ist bloss eine Kuhweide, und bis vor ein paar Jahren gab es keine politische Gemeinde dieses Namens.»

Das stimmt. Die Dörfer Goppisberg, Greich und Ried-Mörel schlossen sich erst 2003 zusammen, und keine der drei Gemeinden hiess vorher Riederalp - im Gegensatz zum Gebiet oberhalb der drei Dörfer, das Stein-, Kraut- und Bergnarren seit über 150 Jahren ein Begriff ist. Bei der Wahl des Gemeindenamens dürften also marketingstrategische Überlegungen eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben - genau wie im Pornogeschäft.

Weil es scheint, als ob die Berge nicht hoch, die Täler nicht tief genug wären, versuchen die Walliser hin und wieder, sich ihre Pfründen juristisch zu sichern: Heimische Käseproduzenten wollten «Raclette» als geschützte Ursprungsbezeichnung eintragen lassen - als Appellation d’origine contrôlée (AOC). Das Bundesgericht entschied aber letztes Jahr, dass sich jeder Rohmilchkäse so nennen darf. Trotz geringen Erfolgsaussichten wehrt sich nun auch die Gemeinde Riederalp gegen die missbräuchliche Verwendung ihres Namens. Über den Stand der Dinge sagt Gemeindeschreiberin Jeitziner nichts; sie verweist auf das laufende Verfahren. Vorläufig also nichts Neues von der Riederalp.

Das dürfte auch so bleiben. Eine Fortsetzung des Streifens ist nicht geplant, sagt Scheurer. Eher werde man «eine andere Tourismusregion berücksichtigen». Er schneidet gerade «Alpenperversionen» zusammen, ein neuer Film «mit Schweizer Darstellern». Vielleicht muss sich das Bundesgericht irgendwann mit einer Appellation d’origine contrôlée für echte Schweizer Pornos auseinandersetzen.

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