Als bei den B1-Junioren des FC Dietikon der erste Schlusspfiff der Saison ertönte, hatten sie sieben Tore erhalten und keines geschossen. Das Schlimmste lag trotzdem hinter ihnen. Die neuen Trikots waren vorgeführt, böse Kommentare von den billigen Plätzen ausgeblieben.

«Es war ein Schock», erinnert sich der Dietiker Junior Dario Preite an den Tag, als die 15- bis 16-Jährigen vom neuen Sponsor ihrer Leibchen erfuhren, «wir wurden in der Schule von einigen ausgelacht.» Während Tagen waren die Trainingsstunden von Niedergeschlagenheit und banger Erwartung geprägt.

Ausgelöst worden war die vorsaisonale Depression von der Zürcher Frauengruppe von Amnesty International (AI), die sich aufmachte, ihre Botschaft in der Männerwelt des Fussballs zu verbreiten. «Stoppt Gewalt gegen Frauen» stand auf den Leibchen, die für 1630 Franken gekauft und den Jungen zur Verfügung gestellt wurden. «Wir gelangen so an ein Publikum, das wir über unsere Standaktionen nicht erreichen», erklärt AI-Frau Katja Bärenfaller die Strategie.

Fast so begehrt wie David Beckham


«Wir hatten Angst, dass uns auch die Gegenspieler auslachen würden», erinnert sich Dario Preite, und Teamkollege Taylan Oezer hätte es vorgezogen, «mit einer Firma Werbung zu machen». Die Wurst vom lokalen Metzger als Symbol der wachsenden Männlichkeit auf den Trikots wäre ihnen weitaus lieber gewesen.

Mit dem Frauenanliegen jedenfalls konnten sie sich zunächst überhaupt nicht anfreunden. Schliesslich waren sie eben erst jenem Alter entwachsen, in dem «Weiberschmeckerei» als grober Verstoss empfunden wird.

Aller Skepsis zum Trotz: Die Rechnung ging für alle Beteiligten auf. Das Interesse der Medien war gross, die Botschaft wurde lange vor dem Anpfiff zum ersten Spiel laut und deutlich unters Männervolk gebracht. Und auch die Junioren, die sich unversehens in einem Blitzlichtgewitter wiederfanden, das selbst David Beckham zur Ehre gereicht hätte, waren begeistert. «Das ist schon cool», schwärmen sie von der Erfahrung im Rampenlicht, und Taylan Oezer und die anderen verbreiten die wichtige Botschaft längst mit geschwellter Brust: «Frauen und Fussball, das geht genauso gut.»

Nur der Trainer der Junioren, Carlo Merendino, seufzt: «Ich hoffe, dass sich der Erfolg der Trikots auch auf den Platz übertragen lässt.»

Quelle: Gian Vaitl