Es gibt Sendungen am Fernsehen, in denen springen Männer auf raketenbetriebenen Rollstühlen in einen Fluss oder lassen sich mit verbundenen Augen von einem Stier auf die Hörner nehmen. Es sind Sendungen, die ausser Einschaltquoten von Halbwüchsigen nichts bringen. Am Schluss dieser Sendungen steht dann meist die Warnung «Don’t try this at home» - man möge doch bitte das Gesehene nicht zu Hause ausprobieren.

Bei der Übertragung von Formel-1-Rennen fehlt dieser Hinweis, und möglicherweise bescherte genau dieses Fehlen kürzlich Katharina Käch einen schlechten Montagmorgen. Acht Tage zuvor hatten sich nämlich Formel-1-Star Felipe Massa und seine Mechaniker zum Gespött der Motorsportfans gemacht: Bei einem Boxenstopp hatte jemand die Ampel, die dem Fahrer das Signal zum Weiterfahren gibt, zu früh auf Grün gestellt. Als Massa davonbrauste, musste er dann sehr schnell feststellen, dass etwas nicht stimmte: Er hatte beim verfrühten Start den Tankschlauch mitgerissen: «Die Trottel von der Tankstelle» lästerte die «Bild»-Zeitung, und im Internet kursierte die Schadenfreude.

Ein Schaden von rund 3500 Franken
Katharina Käch hingegen hatte bloss den Schaden und gar keine Freude. Zwar fehlen bei ihrer Tankstelle in Dornach rot gewandete Mechaniker, Ampeln und Videokameras. Im Gegensatz zur Formel 1, wo bei einem Tankstopp jede Hundertstelsekunde zählt, darf man sich bei ihr Zeit lassen. Und Treibstoff gibts bei ihr nur gegen Bares am Automaten - vorher zu bezahlen, versteht sich.

Das hielt einen Automobilisten am frühen Abend des 5. Oktober nicht davon ab, Massamässig zu tanken: Tankschlauch rein in den Tank, Tür zu - und wegfahren. Am nächsten Morgen fand ein Angestellter den ausgerissenen Stutzen - sauber deponiert neben der Zapfsäule. Ausgerechnet beim Diesel, der am Montagmorgen immer besonders gefragt ist. Ein- bis zweimal pro Jahr passiere ein solcher Vorfall, sagt Tankstellen-Geschäftsführerin Käch, die längst auswendig weiss, wie hoch der Schaden ist: rund 3500 Franken, im Normalfall bezahlt von den reuigen Kunden - «die allermeisten melden sich nämlich».

Vom fehlbaren Massa-Imitator jedoch fehlt jede Spur. Er hat, so ist zu vermuten, kurz nach Dornach einen weiteren Boxenstopp eingelegt. Im Gegensatz zu Vorbild Massa, der mit vollem Tank davonbrauste, fuhr sein Nachahmer nämlich weg, bevor er aufgefüllt hatte. Merke: Wenn schon imitieren, dann richtig.

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