Am Anfang steht die Idee, eine weltweite Hitparade der übelsten Geräusche zu erstellen. Der britische Professor Trevor Cox, eine Kapazität in Sachen Akustik, lässt zu diesem Zweck eine Internetseite einrichten (www.sound101.org), auf der man 34 unangenehme Geräusche anhören und bewerten kann. Klassiker wie «Bohrer beim Zahnarzt» oder «Fingernägel auf Schiefertafel» sind genauso dabei wie das Brummen einer Hochspannungsleitung oder das Piepsen eines Handys. Über eine Million Nutzer machen mit und setzen das Geräusch «Erbrechen» an die Spitze, gefolgt von «Mikrofonrückkoppelung», «Babygeschrei» und «Eisenbahnbremsen».

«Mich interessiert, warum es uns bei gewissen Geräuschen schaudert und bei anderen nicht», erklärt Cox seine Forschungsabsicht. Um die reine Erkenntnis geht es ihm aber weniger als um handfeste Interessen. Der findige Professor will die Resultate den Sounddesignern zukommen lassen, damit die Industrie Geräusche angenehmer gestalten und ergo mehr Produkte absetzen kann. Denn für Cox ist das Gehör ein zentraler Kanal zum Unterbewusstsein des Konsumenten.

Dass die Würgegeräusche beim Erbrechen derart abstossen, stecke uns tief in den Knochen, meint Cox: Während der Evolution habe der Homo sapiens lernen müssen, dass gewisse Nahrung schädlich sei. So sei es auch bei Kreischtönen: «Dieses Geräusch ähnelt dem Warnschrei von Affen, vielleicht reagieren manche Menschen darauf instinktiv.»

Solche Thesen machen auch Schweizer Akustiker hellhörig. «Ein Geräusch kann wegen seines Klangcharakters unangenehm sein - oder wegen der negativen Assoziationen, die es wachruft», sagt Beat W. Hohmann, Suva-Bereichsleiter und Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Lärmbekämpfung. Bei manchen Tönen seien wohl weniger die Klangempfindungen massgebend als die Erfahrungen. Eine Schweizer Studie aus dem Jahr 2000 stuft den Wecker als ebenso unangenehm ein wie eine Säge. Der Grund: Aufstehen ist für die meisten mühsam. Das pure Gegenteil erweckt die Kaffeemaschine: Deren Geräusch taxieren Schweizer als absolut positiv. «Man nimmt bei Alltagsgeräuschen offenbar eine Gesamtwertung vor», bilanziert Hohmann.

Dieselbe Studie zeigt übrigens, dass 37 Prozent der Schweizer die Geräusche in Warenhäusern als «besonders unangenehm» empfinden. Hier bleibt den Soundtüftlern also noch einiges zu tun.

Quelle: zefa/corbis/rdb