Der Röstigraben markiert nicht nur eine Sprachgrenze, sondern auch eine thermische. In den Kantonen Aargau, Schaffhausen, Thurgau und Zürich klagt die Bevölkerung nämlich häufiger über Unterkühlung der unteren Extremitäten als in der Romandie. Dort friert nur jeder Zehnte täglich an die Füsse, während im Ostmittelland jeder Fünfte davon betroffen ist.

Nicht nur zwischen Sprachregionen schwankt die Körpertemperatur, sondern auch zwischen den Geschlechtern. Dabei erweisen sich die Frauen als die Unterkühlteren: Jede fünfte hat kalte Füsse, bei den Männern ist es nur jeder zehnte. Das lässt uns eine repräsentative Umfrage wissen, in Auftrag gegeben von einer Schweizer Heilmittelfirma.
Eiszapfenfüsse sind wahre Schlafkiller. Deshalb wollte die Studie auch in Erfahrung bringen, was Betroffene dagegen unternehmen. Die Bilanz: 73 Prozent greifen auf Hausmittelchen zurück. Favoriten sind Bett- oder Kneippsocken, Wärmflaschen, ein Fussbad oder Kirschsteinsäcklein. Sieben Prozent nutzen den Heimvorteil und wärmen die Füsse unter der Bettdecke beim Partner.

Kneipp, Heizsocken oder Alkohol Die Kernaussagen der Umfrage sind auch wissenschaftlich belegt. Kurt Kräuchi vom Zentrum für Chronobiologie an der Psychiatrischen Uniklinik Basel erklärt: «Wir haben im Schlaflabor eindeutig festgestellt, dass man mit warmen Füssen besser einschläft.» Ebenso ergab sich, dass Frauen häufiger kalte Füsse haben als Männer.

Väterchen Kneipp (1821−1897) scheint das alles schon vor mehr als 100 Jahren gewusst zu haben. Der bayrische Pfarrer und Gesundheitsapostel predigte Wasser und empfahl Wickel, Bäder und Güsse. Kneippsocken aus Leinen gelten als Klassiker: Man tauche sie in kaltes Wasser, wringe sie aus, ziehe sie an und stülpe Wollsocken darüber. Etwas einfacher zu handhaben sind Socken mit eingearbeiteten Heizfäden: Als Wärmespender dient eine Batterie. Kostenpunkt: 79 Franken.

Welche Wärmegeheimnisse die Romands hüten, hat die Studie nicht zutage gebracht. Offenbar, so der Verantwortliche gegenüber dem Beobachter, spekulieren nun auch die sonst auf nüchternen Zahlen beharrenden Umfrageexperten darüber. Am meisten genannt wird «der Weinkonsum»; allerdings beruht diese Aussage auf einer nicht repräsentativen Umfrage.

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