Singles gehen heutzutage durchs Leben wie der Rest der Welt: Sie geniessen ihre Wohnung mit Küche und Bad, buchen Tauchferien am Roten Meer, gehen auswärts essen und pflegen - zwar meist getrennt von Tisch und Bett - eine feste Beziehung. Jetzt hat auch noch das Eigenheim an Tabu-Terrain verloren: Die Roth Bautechnik AG in St. Gallen lanciert ein Single-Haus, das auf die Wünsche und Bedürfnisse von Alleinstehenden zugeschnitten ist. Es handelt sich dabei um «das erste freistehende Einpersonenhaus der Schweiz aus vorgefertigten Holzelementen».

«Die Interessenten kommen aus ganz verschiedenen Altersklassen», sagt Rolf Junkert von der Roth-Geschäftsleitung. Junge Menschen, die auch in einer festen Partnerschaft Wert legen auf Eigenständigkeit, bauen ebenso auf ein eigenes Heim wie ältere Alleinstehende oder Verwitwete, deren Einfamilienhaus für sie allein zu gross oder zu teuer geworden ist. Der Grossteil möchte den Lebensabend in Ruhe im eigenen Haus verbringen.

Ein «Sehnsuchtsapparat»
Junkert betont, beim Projekt des Hauses für Senioren-Singles stehe der soziale Gedanke im Vordergrund. Der Grundriss des Konzepthauses sei auf die Hälfte des herkömmlichen Rahmens reduziert, 280 bis 300 Quadratmeter Bauland seien für das Gebäude ausreichend. Das normierte Minergiehaus ist mit einer Luft-Wasser-Wärme­pumpe ausgerüstet und kommt auf 207'000 Franken zu stehen. Fünf Monate nach dem ersten Spatenstich ist es bezugsbereit - auf Wunsch mit einem Katzentörchen.

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Der Grundriss für das Single-Haus ist berechenbar, das Ausmass der Liebe ist es nicht. Sollte sich dem Single-Leben eine unwiderstehliche Zweierkiste in den Weg stellen, kann man sich mit Schillers Weisheit begnügen: «Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar.» Doch der kluge Fachmann baut vor: Die Firma führt auch ein Partnerhaus im Sortiment, das neben dem Single-Gebäude Platz findet und mit einem Lift verbunden ist.

Ein Drittel der Schweizer hat sich den Wunsch nach dem Heim auf eigenem Grund und Boden erfüllt. Alle anderen träumen insgeheim davon, glaubt Benedikt Loderer, Architekturkritiker und Gründer der Fachzeitschrift «Hochparterre». Er sieht im «Hüsli» kein Wohnhaus, sondern einen «Sehnsuchtsapparat». Sein Fazit im Monatsmagazin «NZZ Folio»: «Ohne Hüsli kein Heil.» Heil dir Helvetia - bei mehr als einer Million Singles...

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